#1

Brauche Hilfe/Erfahrungen/Info`s

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.08.2009 10:44
von schneckchen • 10 Beiträge

Hallo alle zusammen!
Bin neu hier, habe hier schon einiges gelesen und erfahren und hoffe sehr, dass mir irgendjemand weiter helfen kann.
Ich bin selbst Krankenschwester, habe lange genug auf einer internistischen Station gearbeitet und schon viele Patienten mit Schlaganfall in allen möglichen Schweregraden gesehen, behandelt und betreut. Aber nun ist alles anders: Mein Vater hatte letzte Woche einen schweren Sclaganfall (rechte Seite komplett gelähmt, kann nicht sprechen...) Irgendwie hab ich den Blick für die Objektivität verloren.
Am Anfang hat er viel geweint, auf Gespräche mit seiner Familie hat er positiv reagiert (gegrinst oder andere Mimiken). Der Arzt meinte aber zu uns, dass er uns nur an den Stimmlagen erkennt und ansonsten gar nichts mitbekommt. Hat uns schon ziemlich niedergeschmettert, auch wenn wir das dem Arzt nicht so abgenommen haben.
Seid ein paar Tagen ist er aber wie komplett ausgewechselt: Er weint nicht mehr, er lacht nur noch ganz selten, reagiert teilweise auf Ansprache nur noch sehr wenig oder "schubst" uns weg.
Ich habe einige Tage gebraucht, um meine Mutter wieder ein bißchen aufzubauen, aufzumuntern und Ihr ein bißchen Mut zu machen. Aber der momentane Zustand meines Vaters irritiert mich doch schon sehr, meine Sorgen um ihn wachsen von Tag zu Tag und hätte ich nicht so eine tolle (eigene) Familie, die mir ganz großen Halt gibt , würde ich wahrscheinlich auch in dieses viel beschriebene Loch fallen.
Ich hoffe, dass ihr mir ein wenig mit euren Erfahrungen weiterhelft oder ein bißchen Mut macht oder Ähnliches: ICH FREUE MICH ÜBER ALLES :-)

Schneckchen (so hat mein Papa mich als Kind immer genannt)


nach oben springen

#2

RE: Brauche Hilfe/Erfahrungen/Info`s

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.08.2009 13:16
von mikesch • 48 Beiträge

Hallo Schneckchen,
man sieht ganz deutlich, wie sich die Sichtweise ändert wenn es um Familienangehörige geht. Auch merkt man ganz genau, dass alles was Du gelernt und schon alles gesehen hast aus dem Blick verloren hast und jetzt hier die Fragen stellst die Du selbst am besten beantworten kannst. Denke Du brauchst noch etwas Zeit bis der sichere Menschenverstand bei Dir sich wieder einstellt und selbst beurteilen kannst was passiert ist und wie die Entwicklung weiter geht.

Ich bin der Überzeugung, dass bei SA Patienten einfach ganz schlecht Prognosen gestellt werden können und man warten muss wie sich der Patient entwickelt.

Kann von mir selbst sagen, dass ich an einem Tag in der Klinik mal besser drauf war und am anderen Tag dann wieder schlechter und nach meinen 2. SA habe ich auch stundenweise im Bett gelegen und geweint.

Ich hoffe und wünsche Dir und der ganzen Familie, dass sich alles gut entwickelt und Dein Papa bald wieder "Schneckchen" rufen kann. Alles Liebe und Gute und Kopf hoch.

Johannes


nach oben springen

#3

RE: Brauche Hilfe/Erfahrungen/Info`s

in SCHLAGANFALL - Was nun? 17.08.2009 07:37
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Hallo Schneckchen,

erst mal ein herzliches Willkommen hier im Forum. Schön, dass Du den Weg hier her gefunden hast. Ich hoffe, dass einige
oder viele Deine Fragen beantwortet werden können.
Sicherlich hast Du durch Deinen Beruf einen großen Erfahrungsschatz auf den Du zurückgreifen kannst. Ist man allerdings selber betroffen, sieht man die Dinge meißt aus einer ganz anderen Perspektive und plötzlich ist man nicht mehr in der Lage seine eigenen Fragen zu beantworten.
Lass Deinem Vater Zeit, diese Veränderungen im Genesungsprozess haben wir glaube ich alle (persönlich oder als Angehöriger) durchlebt. Nicht einfach.....aber wohl nicht zu ändern. Nimm es erst einmal so hin wie es ist
und gib Deinem Vater einfach erst mal nur das Gefühl, für ihn da zu sein. Ich denke er hat momentan genug mit sich
selber zu tun.
Ich wünsche Euch allen viel Kraft für die nächste Zeit und wenn immer Du Fragen hast stell sie ruhig.
Wenn möglich wird es immer jemanden geben, der Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.


Herzliche Grüße

Steffi
nach oben springen

#4

RE: Brauche Hilfe/Erfahrungen/Info`s

in SCHLAGANFALL - Was nun? 02.09.2009 00:11
von schneckchen • 10 Beiträge

Erstmal ein herzliches Dankeschön für eure aufmunternden Worte.
Mein Vater ist mittlerweile endlich in der Reha angekommen.
Aber nun mal eine Frage, deren Beantwortung in keinem Lehrbuch steht: Die Ärzte in der Klinik und auch die in der Reha sagen uns immer und immer wieder, dass mein Vater nicht weiß, wer wir sind und verstehen soll er uns auch nicht. Wie lange kann so ein Zustand andauern? (SA ist jetzt ca. 4 Wochen her)
Ich weiß, dass wir alle jetzt viel Geduld haben müssen, aber im Moment mach ich mir die meisten Sorgen um meine Mutter, sie kommt damit so gar nicht klar und ist schier verzweifelt. Sie kann es einfach nicht begreifen, dass der Mann, mit dem sie jetzt 40 Jahre verheiratet ist, sie einfach nicht erkennt und meistens sehr ablehnend behandelt. Auf meine Vorschläge, eventuell eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, reagierte sie bis jetzt ablehnend (vom Internet hat sie leider keine Ahnung). Ich wohne leider zu weit weg (ca. 400 km) und bin berufstätig, aber wir telefonieren täglich - mehr kann ich im Moment nicht tun - oder?
Das nächste Mal, wenn ich meine Eltern besuche, wollte ich gerne meinen Sohn (8) mitnehmen, bin mir aber nicht sicher, ob der "Kleine" damit zurecht kommt. Was meint ihr?
Viele Grüße
Ines


nach oben springen

#5

RE: Brauche Hilfe/Erfahrungen/Info`s

in SCHLAGANFALL - Was nun? 02.09.2009 07:47
von mikesch • 48 Beiträge

Hallo Ines,
Du hast Deine Frage eigentlich schon selbst beantwortet, man kann es nicht sagen wie lange es noch geht und ob überhaupt. So hart das klingt. Zeit ist bei diesem Thema sehr gefragt, Hoffung und Geduld. Häufig kommen die Angehörigen viel schlechter damit klar als die Betroffenen.

Dein Rat für Deine Mutter mit der Selbsthilfegruppe ist ganz in Ordnung aber im Moment wohl zu wenig. Selbsthilfegruppe ist auch hier nicht der richtige Ausdruck, es sind sogenannte "örtliche" Gruppen wo sich Betroffene und Angehörigen treffen und über Probleme sprechen. Du must Dich mal informieren ob es im Ort wo Deine Mutter wohnt so was gibt. Das ist immer ganz nett dort, man macht einen Kaffeeklatsch, spricht, hat ab und Vorträge von Ärzten oder Logopäden zbw. Ergotherapeuten.
Ich gehe wenn es beruflich passt auch immer dort hin und genau wie Du sagst kommen die Fragen von den Angehörigen und ein Gespräch bringt meist schon recht viel. Man merkt danach deutlich wie die Menschen ruhiger werden. Bei uns in der Klinik in Ravensburg ist immer einmal die Woche eine selbst Betroffene Dame da die das ehrenamtlich macht und die Beratungen hält und über alles sehr gut Bescheid weiß. Sie es mit Antragstellung Schwerbehinderung usw. Erkundige Dich mal ob es so eine Einrichtung in der Klink wo Dein Vater auch gibt.

Schenke Deiner ein Buch über Schlaganfall zur Info. Das Buch von Ronald Vogelsang z.B. Eine ungewollte Realität und andere glückliche Momente (Vom Schlaganfall zur Achtsamkeit im Leben).

Alles Liebe und Gute

Johannes

Nachtrag: Glaube nicht, dass das für Deinen Sohn ein Problem ist mit dem Opa und für mich wäre das keine Frage ihn mit zu nehmen.


zuletzt bearbeitet 02.09.2009 07:48 | nach oben springen

Kostenloser Counter
Besucher
0 Mitglieder und 8 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: beni
Forum Statistiken
Das Forum hat 1630 Themen und 6678 Beiträge.

disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0