#1

Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 13.01.2010 12:35
von Schnupfzunge • 8 Beiträge

Hallo,

ich möchte euch gerne beschreiben, was meinem Mann wiederfahren ist und habe ein paar Fragen an euch.

Meinem Mann, 47 Jahre, keine Vorerkrankungen, ist am 26.12. ein Aneurysma (3 mm) geplatzt. Er hatte also eine schwere Hirnblutung. Er kam krampfend ins Krankenhaus und wurde sofort ins künstliche Koma gelegt. Ihm wurde eine Entlastungssonde gelegt, sodass das Blut abfließen konnte. Eine Hirnschwellung trat natürlich ein und ein kleiner, abgegrenzter Bereich oben rechts (frontobasal) im Hirn wies eine Untervorsorgung auf, sprich, er hatte noch einen Schlaganfall. Am 1.1. wurde das Aneurysma erfolgreich geclippt. Das nächste CT sah sehr gut aus. Die Hirnschwellung ist recht schnell zurückgegangen.

Vor einer Woche hat man begonnen, ihn aus dem künstlichen Koma zu wecken. Seitdem sind die Ärzte endlich mal ein wenig positiver. Als er eingeliefert wurde, hat man mir wenig Hoffnung gemacht, obwohl man auch sagte, dass alles noch offen wäre. Im Guten wie im Schlechten.

Die Fortschritte, die mein Mann gemacht hat, sind wohl bemerkenswert. Er hat sofort und recht schnell die Extubierung akzeptiert und vollständig selbst geatmet. Er hat vor drei Tagen begonnen, Leute zu erkennen. Er scheint zu wissen, wer er ist, wer ich bin, wer seine Mutter ist und hat sogar auf die Frage, wie unsere Hunde heißen, die richtige Antwort gegeben. Seine Gliedmaßen kann er alle bewegen. Die Ärztin sagte gestern, er sei nun vollständig aus dem künstlichen Koma aufgewacht und sein jetziger Zustand käme vom Hirnschaden. Er ist sehr langsam, kann kaum sprechen, obwoh er sehr viel erzählt. Hier und da sind einzelne Wörter zu erkennen. "Danke" und Namen beispielsweise. Er scheint sich seiner Situation noch nicht bewusst zu, obwohl er sehr viel im Zimmer rumschaut und es so aussieht als würde er sich fragen, was er da macht.

Er ist nun auch schon für die Reha angemeldet und soll so schnell wie möglich dorthin verlegt werden, weil man sofort mit der Physiotherapie anfangen soll, so die Ärzte.

Ein Arzt meinte wohl, der wird wieder. Andere Ärzte zucken nur mit den Schultern, weil sie sich verständlicherweise nicht festlegen wollen. Einig sind sie sich nur, dass er wohl wirklich tolle Fortschritte gemacht hat.

Ich kann das so gar nicht einschätzen. Da fehlt einem halt die Erfahrung. Mir ist klar, dass es dauern wird, bis er sich erholt, nur wird er sich wirklich erholen und wenn ja wie weit? Derzeit kann ich mir gar nicht vorstellen, dass er mal wieder einigermaßen er selbst werden könnte. Er liegt da recht teilnahmslos, zuckt viel mit den Schultern, wenn man ihn fragt, ob ihm kalt ist, usw. Er kann nicht richtig sprechen, aber das liegt wohl auch zu einem Teil an der zweiwöchigen Intubierung.

Ist dieser Zustand für das jetzige Stadium der Erkrankung normal? Kann ich wirklich noch darauf hoffen, dass ich im Kern den Mann zurückbekomme, den ich geheiratet habe? Ich weiß, dass ihr nicht hellsehen könnt, aber mich würden Erfahrungen interessieren, weil er mir im Moment so weit weg vorkommt.

Vielen Dank.
Grüße
Elke

nach oben springen

#2

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 13.01.2010 12:54
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Hallo Elke,

es tut mir leid was deinem Mann widerfahren ist. Der Schlaganfall ist noch keine 3 Wochen her und wegen der Schwere (Blutung) muss man Geduld aufbringen. Ich denke er wird noch weitere Fortschritte machen, ob nun im Bewegungsablauf oder wegen der Sprache.

Ich selbst konnte nach meinem Schlaganfall kein Wort mehr reden und viele hier die mich kennen können bestätigen dass man kaum mehr etwas von meiner "Sprachlosigkeit" merkt. Dein Mann ist noch jung (bei meinem Schlaganfall war ich 48) und daher wird es mit der Gesundung relativ schnell gehen. Wie weit er dann wieder der "Alte" wird, kann hier im Forum keiner sagen. Auch die behandelnden Ärzte werden dir dazu keine Auskunft geben können, denn damit eine Besserung eintritt muss der Patient auch den Willen und die Geduld aufbringen. Du wirst sehen, in der Reha wird er weitere Fortschritte machen.

Dass er jetzt "langsam" ist, finde ich normal. Vor allem strengt ihn jedes Gespräch sehr an, ich spreche da aus Erfahrung. Er ist mit einer neuen Situation konfrontiert, mit der er erst einmal klar kommen muss.

Das erst einmal in Kürze. Bin mir sicher dass noch einige andere sich dazu äussern.

Beste Grüße
Willi Daniels


"Schlaganfall-Zeitung" - ein Abo informiert und hilft!
http://www.schlaganfall-zeitung.de

zuletzt bearbeitet 13.01.2010 13:03 | nach oben springen

#3

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 13.01.2010 12:57
von Elke Rosenfeld • 84 Beiträge

Hallo Elke (Namensvetterin ;-) )

ich möchte dich im Forum herzlich willkommen heißen und auf deinen Beitrag eingehen.

Deine Besorgnis kann ich gut verstehen. Dein Mann hat eine wirklich schlimme Erkrankung erlitten, und mit dieser Situation musst auch du erstmal klar kommen.

Nach dem was du schilderst, hat dein Mann wirklich schon sehr gute Fortschritte gemacht. Sein Körper und auch seine Seele müssen nun erstmal alles verkraften und verarbeiten. Er selbst muss ich nun erstmal seiner Situation bewusst werden ... und sie annehmen.
Vieles kennt er, sowie Namen und Personen ... Vieles eben noch nicht. Dass er noch etwas desorientiert ist, ist aber nach der kurzen Zeit völlig normal.

Natürlich kann niemand eine Prognose stellen ... Denn jeder Mensch ist anders, jede Hirnschädiungn ist anders, und jede Genesung verläuft anders.

Aber auch ich möchte, nachdem was du bisher berichtest, dir Mut machen und denke, dass dein Mann in der Reha sicher noch tolle Fortschritte machen wird.

Auch wenn es schwer fällt, versuche ein bisschen gelassen zu werden, gib deinem Mann die Zeit die er braucht, sei einfach für ihn da und gib ihm was er braucht ... Das Gefühl nicht allein zu sein und Mut für seine Genesung zu kämpfen.... und freu dich mit ihm über jeden noch so kleinen Fortschritt.

Ich wünsche euch beiden alles, alles Gute dafür und würde mich freuen, wenn du uns weiter berichten würdest.

LG
Elke


"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: "Warum ?".
Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: "Warum nicht ?"

(George Bernhard Shaw)

-------------------------------------------------------------------------------

Sorge nicht um das, was kommen wird.
Weine nicht um das, was vergeht.
Aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren,
und weine, wenn du dahintreibst im Strom der Zeit,
ohne den Himmel in dir zu tragen.

(Friedrich Schleiermacher)

nach oben springen

#4

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 13.01.2010 21:03
von Schnupfzunge • 8 Beiträge

Vielen Dank für die Antworten.

Das wird sicherlich eine schwere Zeit. Ich sage mir jeden Tag, dass ich nur jeden Schritt einzeln sehen soll, nicht dran denken, was ist, wenn... Aber es ist sauschwer.
Er wirkt völlig teilnahmslos, zuckt ständig mit den Schultern, als sei ihm alles egal. Kann ja auch gut sein, immerhin scheint er im Moment keine Schmerzen zu haben. Das verneint er jedenfalls. Er schläft sehr, sehr viel. Gestern hat er zu mir gesagt: "Ruhe habe." Das hat mich schwer getroffen, aber eigentlich hat er ja völlig recht. Ich sitze da und quatsche ihn zu wie ein Wasserfall, während ihm gerade die Synapsen überlaufen.

Puh, das wird eine lange, schwere Zeit. Ich möchte nur so dringend meinen Mann wieder haben. Die ein oder andere Abweichung ist ok, wenn es ihn selber nicht zu sehr belastet, aber vom Wesen her sollte er noch er sein. Er ist halt der ziemlich unersetzlich.

Grüße
Elke

nach oben springen

#5

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 14.01.2010 08:09
von mikesch • 48 Beiträge

Hallo Elke,
ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit und Deinem Mann gute Genesung. Vielleicht kann ich Dir Mut machen, denn ein Bekannter von mir, früherer Fussballtrainer, hatte im Spätsommer 2009 auch ein geplatztes Aneurysma. Es gar nicht gut aus und der hat sich so dermassen gut wieder erholt, dass im Endeffekt nur noch etwas Sprachschwierigkeiten übrig geblieben sind. Diese Genesung war für mich er absolute Wahnsinn.
Hoffe und wünsche Euch das selbe Wunder und drücke ganz fest die Daumen dafür.
Herzlichst aus dem Allgäu
Johannes

nach oben springen

#6

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 14.01.2010 11:13
von Schnupfzunge • 8 Beiträge

Im Spätsommer erst und dann schon so weit wieder in Ordnung? Das ist große Klasse. Das wag ich gar nicht zu hoffen.

Vielen lieben Dank für das Mutzusprechen. Man ist halt doch recht allein mit seinen Sorgen.

Grüße
Elke

nach oben springen

#7

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 15.01.2010 21:12
von Schnupfzunge • 8 Beiträge

Ein kleines Update. Er macht weiter Fortschritte, aber er ist sehr durcheinander. Er redet sehr viel wirres Zeug, obwohl er auch hier und da richtige Antworten gibt. Er scheint sich immer mehr zu wundern, was er da macht. Heute sagte er: "Weiß nicht, wie mir geschah." Er spricht weiterhin undeutlich, aber es wird besser.

Heute war er sehr viel reger als gestern, man versteht ihn sehr viel besser. Er konnte sagen, wann er Geburtstag hat. Eigentlich macht er Fortschritte, aber das wirre Gerede macht mich so nervös.

Grüße
Elke

nach oben springen

#8

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 15.01.2010 21:43
von Elke Rosenfeld • 84 Beiträge

Hallo Elke,

das sind doch wirklich wieder tolle Fortschritte und die wird er ganz sicher auch weiterhin machen. Gib ihm die Zeit die er braucht.
Klar, dass es dich nervös macht. Aber versuche ihn nicht mit deinen Erwartungen zu überfordern. Wenn er deine Ungeduld spürt, dann ist das nicht gut für ihn.

Ich weiß es ist schwer, aber bewahre die Ruhe und glaube an ihn!

Weiterhin alles Gute euch beiden ...

LG
Elke


"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: "Warum ?".
Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: "Warum nicht ?"

(George Bernhard Shaw)

-------------------------------------------------------------------------------

Sorge nicht um das, was kommen wird.
Weine nicht um das, was vergeht.
Aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren,
und weine, wenn du dahintreibst im Strom der Zeit,
ohne den Himmel in dir zu tragen.

(Friedrich Schleiermacher)

nach oben springen

#9

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.01.2010 14:20
von stephan • 111 Beiträge

Hallo Elke
ich will Dir auch ein wenig Mut zusprechen--als ich vor 9 Jahren im Alter von 29 Jahren einen Hirnschlag erleiden musste und die Ärzte mir in dieser Nacht wo Sie mich am Kopf operierten meinen Eltern die schlimme Nachricht überbrachten nur eine 10% Überlebenschance hätte und "falls"ich die Op überlebe ein Vollpflegefall werde!heute lebe ich mit einer Halbseitenlähmung ein recht ansprechendes Leben--da ich wie ich aus dem Koma aufwachte bald 2 Jahre in 3 verschiedenen Reha-Kliniken war führten Sie mich langsam wieder ins Leben zurück--5 Monate durfte ich in der Frühreha sein--dort habe ich mich kaum bewegen können--die ganze Sprache war weg und ich musste alles wieder neu erlernen--heute bin ich berrentet und versuche mich in ehrenamtlichen Tätigkeiten--gib ihm die Zeit-ich bin mir sicher das sich mit der Zeit alles einpendelt!Grüsse von Stephan aus dem Odenwald

Angefügte Bilder:
schlossberg 022.jpg
nach oben springen

#10

RE: Geplatztes Aneurysma - Frage über Fortschritte nach künstlichem Koma

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.01.2010 15:40
von Schnupfzunge • 8 Beiträge

Hallo Stephan,

vielen lieben Dank. Es macht wirklich Mut, deine Geschichte zu lesen.

Ich werd mich jetzt zusammenreißen und mich über jeden Schritt freuen und versuchen, nicht zu viel zu schnell zu verlangen. Er macht im Moment wirklich jeden Tag Fortschritte. Er wusste heute sogar das Jahr, in dem wir geheiratet haben, das wusste er vorher häufig nicht .

Wenn man so gar keinen Vergleich und so gar keine Ahnung hat, verunsichert einen das zusammenhanglose Gebabbel ungemein. Dann kann man sich gar nicht vorstellen, dass man je wieder ein vernünftiges Gespräch mit ihm führen werden kann.

Aber er redet sehr viel und ist ungemein kooperativ. Nächste Woche kommt nun hoffentlich bald die Verlegung in die Reha. Ich werde jeden Tag bei ihm sein und so gut es geht, versuchen, ihn zu unterstützen.

Vielen lieben Dank für all' eure Beiträge.

Grüße
Elke

nach oben springen

Kostenloser Counter
Besucher
0 Mitglieder und 13 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: wernerbihn@arcor.de
Forum Statistiken
Das Forum hat 1630 Themen und 6678 Beiträge.

disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0