#1

Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.01.2010 20:35
von hamradis • 8 Beiträge

Hallo,
ich möchte mich auch hier einreihen.
Am 3. Januar hatte mein Vater (69 Jahre) einen schweren Schlaganfall. Die Erstversorgung war so gut wie es nur möglich ist. Er saß am Frühstückstisch, wollte ein Brötchen schmieren und hatte plötzlich keine Kontrolle mehr über seine linke Hand. Er hat sofort geschaltet und meiner Mutter gesagt daß da was nicht stimmt und die hat sofort die 112 angerufen und auch noch in der Leitstelle einen fähigen Menschen erwischt der die richtigen Fragen gestellt hat und direkt auch eine Ärztin mit rausgeschickt hat. Zehn Minuten nach den ersten Symptomen war die Ärztin vor Ort.
Die Ursache des Schlaganfalls war eine rechtsseitige Hirnblutung infolge von Bluthochdruck. Die Blutung kam von selbst zum Stillstand, aktuell (auf dem CT von vorgestern) ist ein ca. 4 x 6 cm großes Hirnödem da. Mein Vater ist voll orientiert und kann sprechen, ist aber linksseitig komplett gelähmt.
Vom 3.1. bis zum 11.1. war er auf der neurologischen Intensivstation, dann 4 Tage auf der Stroke-Unit, seit gestern ist er auf der normalen Station.
Leider ist die Versorgung nun nicht mehr so umfassend wie zuvor.Auf der Intensivstation wurde bereits am vierten Tag mit der Mobilisation begonnen, er wurde in einen Stuhl gesetzt, täglich kam die Physiotherapeutin, alle zwei Tage die Logopädin, auch am WE. Jetzt liegt er fast ausschließlich im Bett, Therapie erfolgt heute oder morgen nicht.

Ich habe schon sehr viel zum Thema gelesen, aber all das nützt dann letzten Endes doch nichts wenn man "davor" steht.
Erschwerend für mich kommt hinzu daß ich 650 km entfernt wohne. Ich war Anfangs bei meinen Eltern und fahre auch morgen wieder für ein paar Tage runter, natürlich auch um meine Mutter etwas zu unterstützen, aber wirklich viel tun kann ich nicht und auch Informationen bekomme ich erstmal nur aus zweiter Hand.
Wir wollen zuversichtlich sein daß Papa wieder auf die Beine kommt, eine Prognose gibts noch nicht weil das Hirnödem sich halt naturgemäß nur langsam zurückbildet.

Eigentlich habe ich 1000 Fragen, mir fällt nur grad keine ein, daher belasse ich es erstmal bei dieser "Vorstellung"
LG
Judith

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#2

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.01.2010 21:36
von Elke Rosenfeld • 84 Beiträge

Hallo Judith herzlich willkommen im Forum und danke für deine Vorstellung und deinen Bericht.

Zunächst mal muss man ja sagen, dass dein Vater noch Glück im Unglück hatte, da er schnell und offensichtlich gut versorgt wurde.

Ich gehe davon aus, das er von der normalen Krankenhausstation sicher so bald wie möglich in eine Reha gehen soll.

Natürlich solltet ihr aufpassen, dass er jetzt zumidest etwas mobilisiert wird, das Bett verlässt und etwas bewegt wird.

Die "richtigen Threapien" werden dann in der Reha intensiv weitergeführt und werden sicher noch gute Fortschritte bringen.

Ist natürlich blöd, dass du so weit weg wohnst von deinen Eltern. Da fühlt man sich umso hilfloser!

Bestimmt gibt es in der Klinik eine Sozialstation, wo ihr alle weiteren Schritte besprechen könnt. Evtl. könnt ihr auch Einfluss nehmen in welche Reha-Einrichtung er gebracht werden soll.

Ich wünsche euch weiter einen guten Verlauf.
Wenn dir weitere Fragen einfallen sind wir immer für dich da und freuen uns auch über weitere Berichte!

Bis dahin erstmal alles Gute für dich und deine Familie

LG
Elke


"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: "Warum ?".
Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: "Warum nicht ?"

(George Bernhard Shaw)

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Sorge nicht um das, was kommen wird.
Weine nicht um das, was vergeht.
Aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren,
und weine, wenn du dahintreibst im Strom der Zeit,
ohne den Himmel in dir zu tragen.

(Friedrich Schleiermacher)

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#3

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 17.01.2010 08:11
von hamradis • 8 Beiträge

Guten Morgen,
vielen Dank für die nette Begrüßung!
Ich hoffe auch daß mein Vater schnellstmöglich in die Rehaklinik kann. Momentan doktorn sie noch etwas an seinen Zuckerwerten herum (er ist Typ 2 Diabetiker), allerdings bekommt er nicht das dazu passende Essen so daß ich fast denke daß auch dieses Problem in der Rehaklinik leichter in den Griff zu bekommen ist. Meine Mutter ist schon in Kontakt mit dem Zuständigen für die Reha. Vermutlich wird er nach Hattingen Holthausen oder nach Hagen kommen. Hattingen wäre aus meiner Sicht perfekt, ich kenne die Klinik von einem früheren Fall (allerdings SH-Trauma / Kind) und fand sie damals sehr gut, außerdem kann meine Mutter da problemlos mit Bus und Bahn hinkommen (sie wohnt in Bochum und fährt nicht mehr Auto) und auch die Familie und die Freunde sind in der Nähe. Das ist auch der Grund warum wir uns dagegen entschieden haben ihn hier bei mir (Oberallgäu) irgendwo in die Reha zu bekommen. Was nützt es ihm wenn ich da bin, aber seine Brüder und Freunde nicht. Ich denke er braucht möglichst viel Ansprache momentan.
Im Moment ist er halt ziemlich frustriert, weil es nicht vorwärts geht. Auf der Station wo er jetzt liegt sind sie natürlich personell nicht so gut bestückt wie auf den Intensivstationen, was für ihn z.B. bedeutet daß die Bettpfanne bekommt statt zur Toilette gebracht zu werden. Klar kann man das verstehen, er ist etwa 100 kg schwer und es ist aktuell nur zu zweit machbar ihn aus dem Bett zu holen, daß das nicht immer geht ist völlig klar. Aber für ihn halt trotzdem nicht schön. Dazu kommen noch viele kleine Gedankenlosigkeiten, z.B. stellt man ihm nen Joghurt oder ne Banane hin was er noch nicht alleine öffnen kann, oder die Fernbedienung für den Fernseher wird so positioniert das er nicht drankommt ebenso wie die Klingel (wobei ich da keine böse Absicht sehe). Das Bett hat keine Automatik so daß er die Höhe nicht selbst regulieren kann - viele Dinge halt die ihn seiner Situation aus dem Gleichgewicht bringen. Zum Glück hat er jetzt einen Zimmernachbarn bekommen mit dem er sich nicht nur sehr gut versteht sondern der auch aufstehen und herumlaufen kann und ihm hilft, das ist sooo viel Wert.
Heute Nachmittag fahre ich wieder runter, mal sehen was die nächsten Tage so bringen.
Wie sind die so Eure Erfahrungswerte, wie lange verbleibt man wenn es keine Komplikationen gibt im Krankenhaus?
Und in der Reha? Gibt es da überhaupt einen Zeitrahmen für?
LG
Judith

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#4

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 19.01.2010 17:03
von hamradis • 8 Beiträge

Hallo,
heute bei der Visite sagte die Ärztin daß Papa in die Reha kann sobald der Antrag durch ist. Ende dieser / Anfang nächster Woche vermutlich.
Heute gefiel er mir gar nicht, er ist aber jetzt auch allmählich ziemlich am Ende. Er begreift so ganz langsam das das alles nicht heute oder morgen vorbei ist, ganz egal wie toll er bei der Physiotherapie mitmacht und wie sehr er sich Mühe gibt, sondern daß dieser besch****** Zustand noch länger andauern wird. Und ich kann ihn verstehen. Es sagt sich so leicht "Du musst Geduld haben" -ich stecke ja nicht in diesem Körper, der nicht mher dem Willen folgt. Aber es nützt ja nichts, ER muss da durch, das kann ihm leider niemand abnehmen, wir können nur versuchen ihn immer wieder positiv zu stimmen.
Jetzt kommen seit gestern Abend noch Spastiken und Schmerzen in den gelähmten Gliedmaßen dazu. Was bedeutet das? Die Ärzte nehmen das zur Kenntnis, gehen aber nicht so recht drauf ein und fragen konnten wir sie heute nicht weil auf der Station eine ziemliche Hektik war
LG
Judith

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#5

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 21.01.2010 08:34
von hamradis • 8 Beiträge

Huhu,
ich schon wieder ;o)
Auch wenn das hier ja mehr ein Selbstgespräch ist, ich hoffe das ist okay so. Vielleicht fällt dem ein oder anderen ja doch was ein zu dem was ich hier so von mir geben. Aber wenn nicht ist das auch nicht schlimm, ich finde es ehrlich gesagt einfach schon ziemlich befreiend das mal aufzuschreiben und zu wissen daß die Zu"hörer" die Situation nachvollziehen können.
Seit gestern abend bin ich erstmal wieder daheim. Ich hatte noch ein ziemlich heftiges Gespräch mit der Stationsärztin. Meine Mutter hat hinterher "zugegeben" daß sie diese Informationen schonmal gekriegt hat, aber sie will das nicht wissen und gibt es demzufolge auch nicht weiter.
Ich habe die Ärztin nach ihrer ganz persönlichen Einschätzung gefragt. Prognosen KANN sie nicht abgeben, weil der Bluterguss im Hirn ja immer noch vorhanden ist und man Endgültiges erst sagen kann wenn der resorbiert wurde, das weiß ich auch. Aber sie hat ja Erfahrungen mit solchen Fällen und eine Meinung. Sie war sehr offen und direkt. Ihrer Einschätzung nach wäre es ein Erfolg wenn mein Vater irgendwann in der Lage sein wird alleine und ohne fremde Hilfe vom Bett in den Rollstuhl zu wechseln, daß er laufen wird kann sie sich nicht vorstellen. Auch das Wort Pflegeheim ist gefallen... Sch**** alles
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und diese Hoffnung setzen wir jetzt erstmal in die Reha
LG
Judith


zuletzt bearbeitet 21.01.2010 08:34 | nach oben springen

#6

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 21.01.2010 12:54
von birne • 255 Beiträge

laß dich nicht von den ärzten einschüchtern. ärzte müssen eine prognose geben aber jeder mensch ist anders.
ich habe im mai 2006 erst einen herzinfarkt und direkt im anschluß noch einen schlaganfall dazu bekommen. als ich in reha war hat mir der arzt gesagt dass ich meinen fuss etwas bewegen kann und sonst nichts mehr. ich bin froh dass das nicht auf mich getroffen ist, ich kann wieder auto fahren, wieder laufen und vieles mehr,


das ist hoffnung ...........

ich wünsche dir viel erfolg mit deinem vater

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#7

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 23.01.2010 14:26
von Elke Rosenfeld • 84 Beiträge

Hallo Judith,

ich weiß auch nicht warum im Moment so wenig geschrieben wird :-( Aber gelesen wird ganz sicher. Also immer her mit deinen Berichten!

Ich denke auch, ganz wichtig ist es die Hoffnung nicht aufzugeben. Die Herren Ärzte wissen auch nicht immer alles.

Erstmal Ruhe bewahren und die Reha abwarten! Da kann noch viel passieren... und dein Vater muss ja auch erstmal mit der Situation klar kommen. So schnell geht das eben alles nicht!

Wenn sich in der Reha nicht so viel tut, muss man natürlich sehen wie es danach weiter geht.... Aber immer eins nach dem Anderen!

Ich wünsche euch alles Gute ... LG Elke


"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: "Warum ?".
Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: "Warum nicht ?"

(George Bernhard Shaw)

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Sorge nicht um das, was kommen wird.
Weine nicht um das, was vergeht.
Aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren,
und weine, wenn du dahintreibst im Strom der Zeit,
ohne den Himmel in dir zu tragen.

(Friedrich Schleiermacher)

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#8

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 24.01.2010 15:22
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Hallo Judith,

leider können auch wir keine Prognosen abgeben. Es wäre auch vermessen sowas zu tun. Statt dessen können wir Dir leider immer nur sagen, dass Du die Hoffnung nicht aufgeben sollst. Ich weiß.....irgendwann tröstet das einen nicht mehr, denn nur das was man sieht, daran glaubt man in solch einer Situation.

Fakt ist, dass es wirklich seine Zeit dauert bis die Blutansammlung vom Körper abgebaut wird...leider.

Nervenbahnen können sich neu bilden....wie und in welcher Weise ist natürlich von Fall zu Fall verschieden.

Leider kannst Du nichts anderes machen als abwarten und einfach nur da sein.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man am liebsten alle Hebel in Bewegung setzen würde, damit man möglichst

rasch einen Fortschritt oder eine Besserung sieht.

Führe ein Tagebuch....schreib Dir jeden Tag Dinge auf die dir auffallen und ließ immer wieder zurückblickend nach.

Dabei werden Dir auch kleinste Veränderungen bewußt und werden Dir helfen, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Diese Art der Erkrankung erfordert leider eine sehr lange Zeit, was die Genesung angeht.

Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Kraft und wünsche Euch alles Gute

LG Steffi


Herzliche Grüße

Steffi

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#9

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.01.2010 02:36
von hamradis • 8 Beiträge

Danke Euch.
Am Mittwoch kommt mein Vater nach Hattingen in die Reha, ich hoffe daß es dann vorwärts geht. Wie auch immer. Im Krankenhaus ist mehr oder weniger Stilstand, eine halbe Stunde Physio am Tag, das wars. Mein Vater hat auch keine rechte Motivation mehr und freut sich jetzt richtig auf die Reha.
Er realisiert aber immer noch nicht so recht daß eine Wiederherstellung - so sie denn möglich ist - lange dauern wird. Anfang März wollten meine Eltern herkommen und hatten schon eine Ferienwohnung gebucht, die ich jetzt natürlich abgesagt habe. Meine Mutter mit der das natürlich abgesprochen war hat ihm das erzählt (wenn sie zu mir mal auch so ehrlich wäre :-/ ) und jetzt ist er sauer auf mich. Ich weiß natürlich daß das Bestandteil der Krankheit ist, daß es für ihn auch eine Art Schutz ist das nicht zu akzeptieren.

LG
Judith

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#10

RE: Schlaganfall meines Vaters

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.01.2010 15:14
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Hallo Judith,

du schriebst, dass Dein Vater die Blutung rechthirnig hatte. Hast Du in diesem Zusammenhang schon mal etwas
gehört, ob er einen Neglect hat?
Dies ist eine Wahrnehmungsstörung, Patienten können ihren Zustand dann überhaupt nicht richtig wahr nehmen.

Sie behaupten, dass es ihnen wirklich gut ginge, aber bekommen nicht mit, wo ihre Schwierigkeiten liegen.

Klär das mal ab, ob das bei Deinem Vater vorliegt. Dann hat die Verdrängung seines Zustandes nichts mit Selbstschutz

zu tun, sondern er ist einfach nicht in der Lage dies zu realisieren.


Herzliche Grüße

Steffi

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