#1

leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.02.2010 20:34
von Jay • 17 Beiträge

Hallo,

ich bin ganz neu in diesem Forum. Leider hatte mein 31-jähriger Mann letzten Donnerstag einen kleinen Schlaganfall. Die Symptome waren typisch (Hängende Gesichtshälfte, sowie kribbelndes Bein und zuckender Arm, Sprechstörung), dauerten 20 Sekunden an. Im Krankenhaus konnte nichts mehr festgestellt werden
Das MRT gab nun aber den Aufschluss.
Alle neurologischen Tests haben keine Beeinträchtigungen feststellen können, wir haben wohl Glück gehabt. Trotzdem fühlt sich alles komisch an, wie er sagt. Er empfindet sein Sprechen und Denken als langsamer, außerdem denkt er, dass sich seine Arme und Beine nicht so richtig anfühlen. Der Neurologe meint, das wäre psychisch, wie gesagt, alle Tests waren gut. Was denken Sie?
Nun soll er ASS 300 n3 einnehmen, mehr nicht. Das wars. Arbeiten gehen soll er ab Montag auch wieder.

Ich habe so große Angst dass es ihm wieder passiert! Zumal wir ja noch nicht mal wissen, warum es dazu kam.

Es war alles sehr viel. Er hat vor 2 Wochen das Referendariat angefangen, mein Vater ist an Krebs erkrankt und ich habe unser gemeinsames Kind in der Schwangerschaft verloren. Es ist so schwer.

Was halten Sie von der Maßnahme ASS 300 n3? An wen könnten wir uns wenden, damit wir das Rückfallrisiko minimieren können? Oder überhaupt den Grund des Schlaganfalls zu erfahren.

Über Antworten würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank im Voraus!

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#2

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 27.02.2010 08:29
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Hallo Jay,

nach deiner Beschreibung handelte es sich um eine transitorisch ischämische Attacke (TIA). Acetylsalicylsäure (ASS) ist in der sekundärprophylaxe ein guter Wirkstoff, dennoch kann man weitere Attacken bis hin zu einem Schlaganfall nicht ausschliessen.

Daher ist es dringend erforderlich, mögliche Risikifaktoren zu reduzieren. An dieser Stelle ist in erster Linie der Hausarzt gefragt, denn er sollte über Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker u.m. informiert sein.

Ferner sollte eine Herzultraschalluntersuchung vorgenommen werden, um auszuschließen ob ein Vorhofseptumdefekt mit evtl. Aneurysma vorliegt.

Als Betroffener selbst kann man präventiv evtl. schlechte Lebensgewohnheiten verändern. Dabei denke ich an die Ernährung und die Bewegung.

Wenn du uns hier noch ausführlicher informierst kann man dir sicher noch mehr Tipps geben.

Beste Grüße
Willi Daniels


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#3

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 27.02.2010 12:54
von Jay • 17 Beiträge

Lieber Willi,
vielen herzlichen Dank für deine schnelle Antwort. Ja, ich denke auch dass es sich um eine TIA handelt, aber der Neurologe benutzte das Wort Schlaganfall. Aber vielleicht unterscheidet er da auch nicht sonderlich.
Gern erzähle ich noch ausführlicher:
Im Krankenhaus konnte am gleichen Abend (ich habe, obwohl die Symptome sofort wieder abklangen, natürlich den Notarzt gerufen) nichts festgestellt werden. Alle Bewegungs-, Reflex- und Krafttest waren gut. Es wurde ein CT und ein großes Blutbild gemacht, bei dem nur auffiel, dass ein Leberwert sehr erhöht ist. Mein Mann trinkt jedoch seit 6 Jahren absolut keinen Alkohol mehr, hat aber in seiner Jugend damit sehr übertrieben. Das wäre noch abzuklären. Etwas Übergewicht hat er auch.
Übrigens hatte mein Mann einen derartigen „Anfall“ vor 5 Jahren schon mal in ähnlicher Dauer und Intensität. Damals konnte selbst beim MRT nichts festgestellt werden.
Beim Kardiologen gab es einen Herzultraschall, Belastungs-EKG und einen Ultraschall beider Halsschlagadern. Beim ersteren fiel nur ein kleines Loch auf, das mein Mann seit Geburt hat. Jedoch sagt der Arzt, dass dieser Herzfehler mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht für den Schlaganfall zuständig sein kann. Zur Sicherheit wird nächste Woche noch ein Schluckecho gemacht. Die Halsschlagadern waren frei.
Beim MRT gab es nun Gewissheit über den Schlaganfall. Der Neurologe möchte noch einen Doppler machen, allerdings erst in ca. einem Monat. Ist diese Untersuchung trotz der Ultraschalluntersuchung beim Kardiologen sehr wichtig oder können wir damit so lange warten?
Der Neurologe gab nun wie gesagt den Blutverdünner und sagte, dass mein Mann auf seinen Stresspegel achten soll, aber ab Montag wieder arbeiten gehen kann. Ich fühle mich damit komisch. Was denkt ihr?
Zum Hausarzt will mein Mann auch erst am Donnerstag, da er dann nachmittags frei hat. Soll ich ihn überzeugen, doch früher zu gehen?
Vielen Dank, dass ich hier meine Fragen stellen kann.
Herzliche Grüße

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#4

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 27.02.2010 14:07
von Jay • 17 Beiträge

Ich habe noch etwas vergessen:
Der Neurologe hat auch ein EEG druchgeführt. Ohne Befund.

Außerdem klagte mein Mann schon seit einigem Monaten über sporadischen Schmerz im betroffenen Bein. AUßerdem meint er dass es im Vergleich zum anderen Bein eher einschläft.

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#5

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 27.02.2010 14:23
von birne • 255 Beiträge

also ich würde mein mann dahin treten. entschuldige wenn sich das kriminell anhört aber ich habe einen herzinfarkt und direkt da dran ein schlaganfall gehabt. ich bin rechts halbseitig gelähmt.............
er soll dahin gehen, besser zu früh ...............


zuletzt bearbeitet 27.02.2010 14:23 | nach oben springen

#6

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.02.2010 08:33
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Hallo Jay,

bei einem erhöhten Leberwert (GAMMA-GT) muss nicht ein vermehrter Alkoholkonsum die Ursache sein. Auch eine toxische Vergiftung (z.B. Tabletten) trägt zu einer Erhöhung bei.

Es stimmt, ein Vorhofseptumdefekt kann nicht die Ursache eines ischämischen Infarktes sein, er erleichtert ihn nur. Ich bin gespannt was die Transösophageale Echokardiographie (Schluckecho) ergibt. Die Duplexsonographie ist sicherlich eine wichtige Untersuchung, da sie zur Beurteilung der Blutgefäße dient. Es wird dabei die Geschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen gemessen und ermöglicht dadurch Gefäßverengungen aufzudecken. Zugleich wird auch bei dieser Untersuchung die Intermediadicke gemessen.

Leider ist ein Termin bei Neurologen nicht immer sehr zeitnah zu bekommen. Es kommt aber m.E. nicht auf einen Tag mehr oder weniger an, Hauptsache die Untersuchung wird gemacht. Genauso denke ich das auf Bezug eines Hausarztbesuches, denn was soll der Hausarzt tun? Dein Mann ist medikamentös gut behandelt, man muss nun noch die beiden ausstehenden Untersuchungen (Schluckecho und Duplexsonographie) abwarten.

Viel wichtiger wäre es m.E., dass er was den Stress anbelangt, kürzer tritt.

Was die Schmerzen im Bein anbelangt wäre seitens des Hausarztes zu überlegen, ob man eine ABI-Messung (Knöchel-Arm-Index) durchführt. Leider gehört diese Untersuchung in Deutschland immer noch nicht zum Standard einer hausärztlichen Untersuchung. Unser Landkreis hier ist der einzigste in Deutschland, der diese schnelle, kostengünstige und aussagefähige Untersuchungsart in jeder Hausarztpraxis durchführt.

Beste Grüße
Willi Daniels


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#7

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.02.2010 15:55
von Elke Rosenfeld • 84 Beiträge

Hallo Jay,

auch ich möchte dich, wenn auch etwas verspätet, hier im Forum herzlich willkommen heißen.

In den letzten Tagen war ich kaum online, da auch mein Ehemann (46) gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Er hatte ähnliche Symptome wie deiner (außer den Sprachausfällen) und lag auf der Stroke (Schlaganfallstation) wegen Verdacht auf Insult. Dieser Verdacht hat sich glücklicherweise bei ihm nicht bestätigt.... Allerdings wurde er äußerst gründlich von den Ärzten "auseinander genommen" ... Alle erdenklichen Untersuchungen durchgeführt.

Einen wirklichen Befund haben sie nicht ergeben, nur einen vagen Verdacht.

Trotzdem bleibt er erst noch ein paar Tage zu Hause .. und es stellt sich auch herraus, dass er diese Ruhe noch dringend braucht, da er selbst nach kleineren Aktivitäten sofort an die Grenzen seiner Kraft kommt.

Ich bin der Meinung, dass auch dein Mann sich noch etwas Ruhe gönnen sollte. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass solche Syptome immer auch ein Ruf der Seele sind... Du beschriebst eure Situation zu Hause: Fehlgeschlagene Schwangerschaft, berufliche Anspannung, schwere Erkrankung des Vaters ... So etwas geht an niemanden spurlos vorbei!

Ich wünsche euch beiden jedenfalls alles Gute!

Vielleicht kann ich ja meinen Gatten noch überzeugen, sich hier selbst mal zu äußern.

LG
Elke


"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: "Warum ?".
Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: "Warum nicht ?"

(George Bernhard Shaw)

-------------------------------------------------------------------------------

Sorge nicht um das, was kommen wird.
Weine nicht um das, was vergeht.
Aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren,
und weine, wenn du dahintreibst im Strom der Zeit,
ohne den Himmel in dir zu tragen.

(Friedrich Schleiermacher)

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#8

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.02.2010 18:55
von Jay • 17 Beiträge

Hallo Willi,

vielen Dank für deine Informationen. Wir werden Sie berücksichtigen. Ich wünschte wir wüssten schon mehr.

Liebe Elke, vielen Dank für deine Antwort. Wie schön, dass sich der Verdacht bei deinem Mann nicht bestätigt hat. Ich wünschte ich könnte meinen Mann auch überzeugen, noch zu Hause zu bleiben. Er sat zwar, dass er mehr auf sich achten wird, aber er wird ab morgen wieder arbeiten gehen.

Ich habe das Gefühl vor Angst verrückt zu werden. Angst, dass es wieder passiert. Und dann vielleicht auch schlimme Folgen hat. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich meinen Mann in der Notaufnahme nicht überzeugt habe, sich stationär aufnehmen zu lassen. Alle Untersuchungen sind bisher ambulant gelaufen.

Von einer Reha hat der Neurologe auch nicht gesprochen...

Liebe Grüße


zuletzt bearbeitet 28.02.2010 19:03 | nach oben springen

#9

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.02.2010 20:23
von Jay • 17 Beiträge

Hier ist noch mal der Befund und die Beurteilung der Radiologie des MRT:

In der FLAIR-Sequenz zeigt sich eine diskrete corticale Signalintensitätserhöhung rechtfrontal im Gyrus präcentralis. In der diffusionsgewichtigen Bildgebung Nachweis einer deutlichen Diffusionsstörung cortical in der Zentralregion rechts mit korrespondierender Signalabsenkung in der ADC-Map. Nach Kontrastmittelgabe kein Nachweis von Strukturen mit pathologischen Kontrastmittel-Enhancement. Mittelständiges Ventrikelsystem mit geringer Asymmetrie der Seitenventrikel zugunsten der rechten Seite. In der sagittalen Sequenz regelrechte Anlage der Mittellinie. Unauffälliges Flowvoid der großen intracraniellen Gefäße. In den zusätzlich angefertigten Dünnschichtsequenzen senkrecht zum Temporallappen symmetrische und signalunauffällige Darstellung der Hippokampusregion beidseitig.

Beurteilung:
Subakute Ischämie im Stadium der Diffusionsstörung ohne Nachweis einer Bluthirnschrankenstörung im Cortex des Gyrus präcentralis passend zur beschriebenen Hemisymptomatik.

Könnt ihr mir vielleicht mit diesem "Fachchinesisch" helfen? Oder ist das vielleicht gar nicht so entscheidend für mich zu wissen. Entschuldigt bitte, ich hoffe, ich bin euch nichts zu einnehmend oder aufdringlich.
Aber vielleicht könnt ihr diesen "Aktivismus" auch gut nachvollziehen...

Liebe Grüße


zuletzt bearbeitet 28.02.2010 20:33 | nach oben springen

#10

RE: leichter Schlaganfall, Angst vor Rückfall!

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.02.2010 21:42
von Elke Rosenfeld • 84 Beiträge

Hallo Jay
Ich bin der Mann von Elke, der eine etwas ähnliche Symptomatik hatte wie dein Mann nur das ich zeitnah in eine Fachklinik kam und dort stationär behandelt wurde.
Zunächst einmal ein paar Erklärungen zu dem MRT Befund des Radiologen.
Eine deutliche Diffussionsstörung ist eine mangelhafter Sauerstoffaustausch zwischen Blut und den Organen, in diesem Fall die re. Seite des Gehirns.
Die korrespondierende Signalabsenkung ist auf das Infarktareal bezogen, d.h. das in der Region des Gehirns in dem der Infarkt stattfand, weniger Signale des Gehirns an Extremitäten oder Organe gesendet werden. Die ADC-Map liefert zusätzliche Informationen zu pathophysiologischen Merkmalen, zur Altersbestimmung einer ischämischen Läsion und
möglicherweise zur Prognose und Entwicklungstendenz von Infarktgewebe.
Akute und subakute Ischämie (Durchblutungsstörungen), bis 48 Stunden nach Beginn des Schmerzereignisses oder anderer körperlicher Ausfallerscheinungen abklingen.
Der Ausdruck -Subakut wird- für eine klinisch weniger heftige Symptomatik verwendet .
Da ich selber in einer Klinik tätig bin und seit knapp 30 Jahren in meinem Beruf stehe erlaube ich mir diese persönliche Einschätzung zu diesem Befund.
Zudem kann ich nicht nachvollziehen das dein Mann wieder Arbeiten muss oder auch will. Wir bezeichnen solche Ischämien als Lebensbedrohliche Zustände. An eurer Stelle würde ich auf eine Verlängerung der AU drängen und möglichst Zeitnah weitere Ursachenforschung betreiben.

Ich wünsche euch viel Glück dabei!
Thomas


"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: "Warum ?".
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(George Bernhard Shaw)

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