#1

Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 08.11.2010 20:54
von Anke-7 • 4 Beiträge

Als mein Papa vor 5 Wochen mit einem leichten Schlaganfall ins Krankenhaus kam, das 220 km von uns entfernt war, dachten wir, es wird schnell alle wieder gut. Das Sprechen viel ihm zwar schwer und die rechte Seite war angeschlagen, aber wir gingen davon aus, daß er bald wieder alles im Griff haben wird. Sein Barthelindex hat sich von 35 auf 40 verbessert! 10 Tage nach Auftreten der ersten Sympthome hat es ihn auf der Fahrt mit einem Krankentransport in ein Rehazentrum in unserer Nähe, dann so erwischt, daß er auf die Intensivstation ins Zentralklinikum gebracht werden mußte.
Diagnose Stammhirn kaputt-schwerer Schlaganfall!! (Wurde denn was im Krankenwagen versäumt??) Er konnte nur seine Augenlider etwas bewegen. Das war alles.
Mittlerweile hat er einen Luftröhrenschnitt und eine Magensonde bekommen. Auch ist er in der Lage die Augen wieder völlig normal zu bewegen und der Kopf geht ganz gut von links nach rechts. Rauf und runter nur sehr schwer.
Ab und zu bewegt sich von alleine sein linkes Bein, weil er wohl Schmerzen hat. Auf Reflexübungen vom Arzt reagiert er auch ganz heftig mit den Armen und Beinen.
Seit 4 Tagen ist er auf die Stroke Unit verlegt worden und das Rehazentrum im Burgau ist im Gespräch.

Jetzt zu meinen Fragen:
Mein Papa schaut uns zwar an, aber während wir mit ihm reden schaut er dann weg, so als wenn er entweder nicht weiß, wer wir sind, oder er absolut uninterressiert wäre... Wir fragen ihn dann zwar, ob er weiß wer wir sind, und er sagt nach langem Zögern schon ja, aber er weiß ja auch, wer die Pfleger sind.....die, die ihn seit seiner Intensivstationszeit jeden Tag besuchen...nicht mehr und auch nicht weniger?
Manchmal denken wir, er hat supergute Momente und er weiß wirklich wer wir sind und manchmal nicht.
Was kann in ihm vorgehen bei dieser Phase seines Schlaganfalles?

Und wenn wirklich sein Stammhirn so kaputt ist, ist es denn dann möglich, daß er so viele Dinge kann? Ist es vielleicht doch nicht so zerstört??
Kann sich wieder was rekonstruieren?
Die Ärzte sind auf jeden Fall sehr zufrieden mit ihm. Unsere Hoffnung liegt nun bei den Therapeuten in Burgau!

Ich wäre um Meinungen und Einschätzungen ihrerseits sehr dankbar!

Viele Grüße
Anke-7

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#2

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 09.11.2010 12:20
von Helena Dindas • 7 Beiträge

Hallo Anke,
jeder Schlaganfall ist anders. Ich kann dir nur von meinen Erfahrungen berichten. In der Zeit, in der ich nicht sprechen konnte, war ich gedanklich sehr beschäftigt. Ich konnte es nicht fassen, was mit mir geschehen war. Mein Mann stand hilflos an meinem Bett im Krankenhaus und es war mir nicht möglich, ihm zu sagen, dass ich mich über seinen Besuch freute. Oftmals bin ich auch einfach eingeschlafen, weil mich alles anstrengte - wie ein Kleinkind, das viel schläft und dabei die vielen neuen Eindrücke verarbeitet. Unbegreiflich war mir auch, dass ich meine Gedanken nicht mehr artikulieren konnte. Ich war sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten. Aber mein Mann hat mir unbeirrt zur Seite gestanden und seine Unterstützung hat mir sehr geholfen. Er hat mir immer wieder Mut gemacht und mich auch gefordert. Und, was ganz wichtig für mich war - er hat mich nie als geistig behindert angesehen.
Mache deinem Vater immer wieder Mut!
L.G.

Helena

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#3

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 10.11.2010 12:59
von mikesch • 48 Beiträge

Hallo Anke,
ich kann Helena nur beipflichten, jeder SA ist anders. Warum musste Dein Papa beim ersten Mal über 220 km in´s Krankenhaus transportiert werden? So eine lange Strecke!
Ich denke die Sorgen, dass etwas beim Krankentransport passiert ist kannst Du ausser Betracht lassen. Nach der Klinik hatte Dein Pa bestimmt schon Medikamente in Form von Blutverdünnern etc. bekommen gehabt. Es gibt kein Medikament das einen SA völlig ausschließt. Ich selbst war nach meinem 2. SA keine 24 Std. zu Hause und hatte auch wieder einen SA.
Du musste einfach Geduld haben, so was zu verarbeiten ist ganz schwer. Ich selber weiß heute nach meinem 2. schweren SA zum Glück auch nicht mehr viel von den ersten Tagen auf der Stroke bzw. der Überwachunsstation.
Was kannst Du tun? Einfach da sein, vielleicht was vorlesen, die Hand halten usw. Vielleicht würde er auch gerne Musik von einem MP3-Player hören (Lieblingsmusik). Es gibt schon Möglichkeiten!
Das Hirn ist komplex und Funktionen können wieder durch noch gesunde Hirnareale übernommen werden. Man muss diese aber wirklich neu lernen. Das kostet viel Kraft und das bei allen Beteiligten. Die Zeit kommt erst noch!
Wichtig ist, dass Dein Pa dann in der Reha auch selbst wieder aktiv wird und was lernen will. Das ist oft das Problem. Wichtig ist, dass die Psyche gut ist und er dazu Hilfe bekommt.
Dann ist auch ganz wichtig nach der Reha sich um Therapeuten zu kümmern (bitte ziemlich schnell jemanden suchen, Logopädie, Ergotherapie etc. Manche Praxen habe Wartezeit!
Ich wünsche Deinem Papa ein gute Genesung, viel Erfolg bei der Reha und dem Rest der Familie viel Kraft und Energie für die nächste Zeit. Vielleicht kannst Du uns auf dem Laufenden halten wie die Entwicklung ist.
Herzliche Grüße
Johannes

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#4

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 10.11.2010 23:47
von Anke-7 • 4 Beiträge

Hallo Helena, Hallo Johannes!
Herzlichen Dank für die Einblicke, die ihr mir gewährt habt um mir zu erklären, wie es auf der "anderen Seite" aussieht! Ich hoffe, daß mir mein Papa irgendwann auch mal davon ERZÄHLEN kann! Sein SA ist im Urlaub in Bad Füssing passiert und dort lag er dann 10 Tage in einem Kreiskrankenhaus. Dabei wollten wir ihn baldmöglichst nach Ichenhausen auf die Reha verlegen lassen, weil wir dort in der Nähe wohnen.....Es ging alles drunter und drüber, bis es soweit war...und dann eben die herbe Verschlechterung auf dem Transport...den Rest wisst ihr ja bereits.
Seit 2 Tagen versucht er schon seinen Kopf ganz leicht zu heben ;-)
Das war ein riesiges Highlight für uns, als er es uns gezeigt hat!
Heute wurde er nach Burgau verlegt und die ersten Übungen mit den Therapeuten haben ihm anscheinend Spaß gemacht....denken wir zumindest...

Ich bin so froh, daß ich dieses Forum gefunden habe und daß ich tatsächlich auch so nette Antwortschreiben von euch bekommen habe!
Die Genesungswünsche nehme ich gerne an und werde auch sicher weiterhin mal schreiben, um euch auf dem Laufenden zu halten!
Viele liebe Grüße von
Anke

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#5

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.11.2010 16:51
von Bmitte • 31 Beiträge

liebe anke, ja, jeder SA ist anders, ich weiß noch von mir, ich habe bestimmt 2-3 wochen gebraucht um das was passiert war zu realisieren, aber es gab mir sehr viel kraft, das meine liebsten freunde und meine familie oft zu besuch kamen, auch als ich damals in eine reha musste die über 220km von berlin entfernd war,
ich war soooo unglüglich und dachte, alle vergessen mich, gott sei dank war das nicht so, ich bekam häugig besuch, auch meine patenhund kam mit meiner freundin und ihrem mann,
ich weiß sie alle hatten große angst vor mir und wie es mir geht.
mir fiel es nur schwer soweit weg von berlin zu sein.
ich kann euch nur raten, gebt den papa nicht einfach auf, seit für ihn da, redet mit ihm, lasst ihn musik hören, nehmt seine lieblingstageszeitung und lest ihm daraus vor, streichelt deine arme, hände, füße mit leicht duftenden ölen. das ist gut für die sensibilität. versucht bei der pflege durch das personal anwesend zu sein...... so lernt ihr und evtl. beruhigt ihn das ja ein wenig.. ich weiß das weil meine schwer kranke mama, die ich auch noch so gut es ging pflegte. sie hatte damals kurz vor ihrem tod(welcher nicht durch einen SA kam), sie war immer ganz ruhig. wenn sie wusste das ich da war.
und ich glaube fest daran, dein papa bekommt mehr mit als wir alle ahnen. lg ines

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#6

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 02.12.2010 07:17
von Anke-7 • 4 Beiträge

Hallo Ines, mittlerweile hat mein Papa schon große Vortschritte gemacht! Wir bemerken, daß in seinen ganzen Körper so langsam wieder leben kommt. Er kann schon seine Arme, Finger, Beine und Zehen gaaanz leicht und seinen Kopf recht gut bewegen! Juhu! Die Zunge macht noch Probleme. Er kann leider immernoch nicht richtig schlucken, geschweige denn reden.
Ich hab ihm ein Plakat mit dem Alphabet gemalt, aber er kann seine Finger noch nicht koordinieren, daß er die Buchstaben trifft. Dann hab ich ihm ein "Daumenkino" mit jedem Buchstaben auf einer anderen Seite gemacht und er hat genickt, wenn der Buchstabe kam, den er zum Buchstabieren gebraucht hat. Hat zwar seehr lange gedauert für 2 Wörter, aber immerhin konnt er uns sagen, daß er mit seiner merkwürdigen Kopfbewgung immer sagen wollte, daß er gerne das Kopfteil tiefer haben möchte :-)
Mein Papa bemüht sich sehr und wir sind sehr stolz auf ihn!!

Danke, für Deine Antwort! Hab mich sehr darüber gefreut, zu hören, wie es anderen in solchen Situationen gegangen ist!
Ich wünsch Dir alles Liebe und Gute!
Anke

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#7

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 11.12.2010 11:27
von imma • 1 Beitrag

Hallo Anke
Mein Bab ist seit zwei Tagen in Burgau.Wir sind total verzweifelt,weil wir überhaupt keine Ahnung haben ,ob sich je wieder was verbessert.Wie geht es jetzt deinen Vater?

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#8

RE: Was geht in meinem Papa vor?

in SCHLAGANFALL - Was nun? 11.12.2010 13:18
von Anke-7 • 4 Beiträge

Hallo Imma, ob sich was verbessert, kann ich leider nicht sagen, da ich ja auch nur Laie bin. Aber daß die Pfleger und Schwestern allesamt traumhaft fürsorglich sind und mit ihren Übungen genau das herauskitzeln was zu Fortschritten führen kann, kann ich bezeugen!! Mein Papa konnte gestern mit seiner Hand ganz langsam an seine Stirn fassen und ganz vorsichtig über seine Augenbrauen streichen!!
Am Vortag konnte er das noch nicht. Es sind fast täglich kleine Wunder zu beobachten!! Zu uns hat man damals auf der Intensivstation im ZK Augsburg gesagt, das wars...Und jetzt kommunizieren wir über einen Zettel mit großen Buchstaben.
Wie weit sich die Entwicklung steigert, kann man auch bei uns nicht wissen, aber wir hoffen drauf, daß er wieder sprechen und laufen kann!

Für eure Situation wünsch ich euch viel Kraft und Geduld! UND....niemals aufgeben!!!

Alles, alles Gute!
Anke

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