#1

Migräne, eine Verlegenheitsdiagnose

in Junge Schlaganfallbetroffene - Treffpunkt für ihre Sorgen und Ängste um Zukunft, Familie, Beruf ... 16.11.2010 20:20
von Anleonym • 3 Beiträge

Hallo erstmal, schön, dass es hier so viele Leute gibt, die ähnliches erlebt haben. Ich möchte mich vorstellen. Bin weiblich, 29 und mich belastet jetzt im Nachhinein ein Schlaganfall, den eigentlich keiner so richtig diagnostiziert hat...
Ich versuche mich kurz zu fassen. Im ich Januar 10 merkte ich einen Schwindel während ich im Hallenbad meine Bahnen zog. Ich dachte mir nicht viel dabei, weil das öfter mal vorkommt, wenn ich Wasser im Ohr habe. Nachdem ich aber außerordentlich platt war habe ich mich entschieden das Training abzubrechen und bin gemütlich nachhause gefahren. Auf dem Nachhauseweg war ich sogar noch kurz mit dem Hund spazieren. Daheim angekommen ging ich unter die Dusche, und als ich mich mit dem Handtuchabrubbelte geschah es urplötzlich: ein dunkler Fleck (links unten und beidseitig) der immer größer wurde. Ich war total verduzt und wusste nicht wie mir geschieht. Der Fleck wurde immer größer und war so groß, dass er das komplette untere Viertel beider Augen bedeckte. Um dieses schwarze Viertel kreisten Pixelartige Punkte im Kreis. Ich googelte schnell "Gesichtsfeldausfall" und konnte ja zum Glück noch etwas erkennen und da sah ich gleich überall auf jeder Seite "Schlaganfall". Ich überlegt noch mal kurz, ob ich in die Klinik fahren soll oder was, aber das ging ja schlecht... :) Also den Notruf gewählt und geschildert was ich habe. Innerhalb von 5 Minuten stand der Krankenwagen da und der Notarzt kam auch angefahren. Ich wurde ins KH gefahren (Kopfklink, keine Stroke Unit) und dort hieß es, ich soll da zwei Tage bleiben zum Abklären. Ihr werdet es nicht glauben, aber während ich im Wartezimmer saß nach den einfachen neurologischen Tests, hörte ich wie sich der Assistenzarzt mit dem Chefarzt unterhielt und sie feststellten, dass es wohl knapp wird mit den Betten. In dem Moment ließ ich mich auch ohne Widerrede entlassen, da ich das ganze zu dem Zeitpunkt gar nicht ernst genommen habe. Ich bekam einen Zettel auf dem Stand, dass ich Migräne mit Aura habe und ich soll zum MRT und damit zum Hausarzt.
Nach 3 Monaten erst war ich dann beim MRT und da kam nichts raus. Ein halbes Jahr später habe ich dauernd linksseitige Empfindungsstörungen, Schwindel usw. War beim Kardiologen weil mir die "Schlaganfall-Geschichte" nicht aus dem Kopf ging und der hat Dopplersonografie gemacht (kein TEE), Langzeit-EKG und Dopplersono von den Halsschlagadern. Alles ok. Dort bekam ich also auch keine Diagnose. Er wäre auch ratlos woher das käme. Nun gut, wegen dem Kribbeln und dem Schwindel war ich dann noch beim Neurogen. Ihm habe ich auch den Gesichtsfeldausfall beschrieben aus Januar 10, der darauf gar nicht eingegangen ist.
Mittlerweile geht es mir echt nicht gut mit den ganzen Sorgen. Für das Kribbeln gibt es keine Ursache (liegt wohl an den ungenügenden Untersuchungen) und für den Gesichtsfeldausfall kriege ich eine Verlegenheitsdiagnose namens Migräne.

Ich weiß, ich mache mir zu viel Gedanken, aber nach den ganzen Recherchen im Internet steht für mich fest, dass ein Schlaganfall einen Grund haben muss.

Weiß auch nicht ob das Kribbeln jetzt damit zusammen hängt oder nicht. Der Hausarzt hat mich mit Verdachtsdiagnose MS verrückt gemacht, aber der Neurologe sieht das anders.

Hach, tut mir leid, für das wirre Schreiben. Aber hat denn jemand irgendwie Erfahrung mit beidseitigem Quadrantenausfall ohne weitere Begleiterscheinungen?

Habe Angst, dass was bei mir übersehen wurde und schäme mich auch für meine Angst. Wenn ich versuche mit Familie oder Freunde darüber zu reden, dann rollen sie mit den Augen.

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#2

RE: Migräne, eine Verlegenheitsdiagnose

in Junge Schlaganfallbetroffene - Treffpunkt für ihre Sorgen und Ängste um Zukunft, Familie, Beruf ... 22.11.2010 12:03
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Hallo Anleonym,

ich antworte Dir erst heute, weil ich selber mit schwerster Migräne am WE flach gelegen habe.
"und für den Gesichtsfeldausfall kriege ich eine Verlegenheitsdiagnose namens Migräne".

Ich leide seit meiner frühesten Jugend unter Migräne. Irgendwann stellte ich beim Zeitunglesen fest,
dass ich nicht mehr richtig lesen konnte, weil mir einfach ein Teil der Zeitungsseite fehlte......es war
wie ein Teil der Seite, der weggeschnitten war.
Kurze Zeit später fing ein gezackter Blitz an einen Halbkreis im Auge zu bilden. Dieser breitete sich
immer weiter aus, bis er langsam wieder verschwand. Dieses ganze Spektakel dauerte ca. 15 Minuten.

Auch ich war damals panisch....dachte an einen Hirntumor, Schlaganfall etc.

Dieses Kringeln im Auge trat immer wieder auf, meist hatte ich danach fürchterliche Schmerzen im
betroffenen Auge. Schließlich trat ich den Gang zum Augenarzt.....Diagnose: Augenmigräne mit Aura.
(Google mal nach, Du wirst erstaunt sein, was Du da alles lesen kannst)
Eine Untersuchung im MRT blieb (gottlob) ohne Befund.

Vor ca. 2 Jahren bekam ich dann plötzlich Gangunsicherheit....Schwindel.....Kribbeln auf der Haut der
rechten Körperhälfte......wieder panische Gedanken. Schlaganfall????????

Meine Gedanken kreisten auch nur noch um Erkrankungen.....irgendwann trat ich den Gang zur
Venenspezialistin an, weil ich dachte, dass ich vielleicht Durchblutungsstörungen im Bein hätte.
Nach einer eingehenden Untersuchung gab sie mir klipp und klar zu verstehen, dass meine
Probleme 100 % orthopädischer Natur sein.

Also holte ich mir einen Termin beim Orthopäden......und da stellte man so einige Unnettigkeiten fest.
Verdrehter Bandscheibenvorfall zwischen dem letzten Lenden und ersten Steißwirbel.
Daher kam das Kribbeln auf der Haut....
Woher kam aber der Schwindel?
Nun ja........verschobene Wirbel in der Halswirbelsäule.

Was ich Dir damit sagen möchte: Für ein Symptom gibt es viele Erkrankungen die in Frage kommen.
Auch für Ärzte ist es nicht immer leicht in welcher Richtung sie suchen sollen.

Als Verlegenheitsdiagnose würde ich die Migräne nicht sehen.
Bei einem aktuten Migräneanfall bin ich z.B. kaum noch aufnahmefähig.....meist sind die Tage
eines Anfalls später für mich kaum mehr nachvollziehbar.
Dabei ist es nicht unüblich, dass ich Sprechschwierigkeiten/Einschränkungen der Motorik etc. habe.

Du solltest Dich nicht zum Sklaven Deiner Angst machen.
Ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan aber suche das Positive.....die Ärzte tippen
nicht auf Schlaganfall!!!!!


Herzliche Grüße

Steffi

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#3

RE: Migräne, eine Verlegenheitsdiagnose

in Junge Schlaganfallbetroffene - Treffpunkt für ihre Sorgen und Ängste um Zukunft, Familie, Beruf ... 22.11.2010 21:41
von Anleonym • 3 Beiträge

Vielen Dank Steffi für Deine besänftigenden Worte. Da ging es Dir ja fast genauso wie mir! Das mit der Beschreibung des Gesichtsfeldausfalls könnte auch übereinstimmend sein, wobei ich die Zacken als Pixel empfand.
Das mit der Aura-Migräne klingt ja so ganz plausibel, aber ich habe ja tatsächlich schon lange vorher Migräne gehabt, aber NIEMALS mit Aura. Ich habe nur Kopfschmerzen und kann helles Licht und zu laute Geräusche nicht ertragen. Und was mich vor allem daran zweifeln lässt dass es diese Auramigräne war, ist dass ich ja jetzt fast ein Jahr später mindstens 4 Migräneattacken pro Woche hatte und NIE mit Gesichtsfeldausfällen oder ähnlichem. Oder gibt es tatsächlich bei "normalen" Migränepatienten sowas wie eine einmalige oder sehr selten auftretende Aura?
Vielen lieben Dank nochmal für Deine lieben und beruhigenden Worte. Ich wünsche Dir eine gute Beserung!

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#4

RE: Migräne, eine Verlegenheitsdiagnose

in Junge Schlaganfallbetroffene - Treffpunkt für ihre Sorgen und Ängste um Zukunft, Familie, Beruf ... 23.11.2010 14:24
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Hallo Anleonym,

bei mir trat die Augen-Migräne erst im Alter von ca. 35 Jahren auf. Bis dahin hatte ich auch keinerlei Aura.
Heute ist es oft so, dass ich Tage vor der eigentlichen Migräne kurze Lichtblitze im rechten Auge habe.
Für mich die absolute Alarmstufe rot genau auf die ersten Migräneanzeichen zu achten um die Triptane
rechtzeitig zu nehmen, damit sie auch helfen.
Die Aura kann....sie muss aber nicht auftreten. Es ist ja auch nicht jeder Migräneanfall gleich. Der eine ist heftiger, der andere weniger heftig.
Die Augenmigräne hatte ich damals oft 3-4 mal die Woche, ein paar mal sogar 2 mal am Tag.
Meine Schwester leidet auch daran, wir sprechen manchmal belustigender Weise vom "Kringelmann" der uns wieder
heimgesucht hat.
Der Augenarzt sagte mir damals, dass es nicht untypisch für pflichtbewußte, unter Dauerstress stehende Frauen ist
an sowas zu leiden. Beide Punkte treffen auf mich zu.
Ich hasse meine Migräne...keine Frage. Aber oft sage ich mir, dass es Menschen gibt, die sehr viel schlimmer drann sind
als ich.....und dann ertrage ich diese fürchterlichen 72 Stunden Schmerzen...Abwesenheit...Übelkeit etc. und "freu" mich
darüber, dass ich bis zur nächsten Attacke wieder ganz normal leben kann.


Herzliche Grüße

Steffi

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#5

RE: Migräne, eine Verlegenheitsdiagnose

in Junge Schlaganfallbetroffene - Treffpunkt für ihre Sorgen und Ängste um Zukunft, Familie, Beruf ... 24.11.2010 19:17
von Anleonym • 3 Beiträge

Uiii, das ist wirklich sehr häufig. Auf der einen Seite, wenn es schon so oft aufgetreten ist, kannste Dir sicher sein, dass es die Migräne ist, und auf der anderen, ist das ja eine ziemlich unschöne Sache, wenn Du alle paar Tage ganz spontan nix mehr siehst. Ich stelle mir nur vor, wie es sein muss, wenn man gerade Auto fährt oder auf der Arbeit ist.
Ich werde mal meinen Neurologen fragen, ob es sein kann, dass eine Auramigräne einmalig auftreten kann, wenn man sonst regelmäßig normale Migräne hat. Das lässt mir immer noch keine Ruhe.
Ich hoffe Du hast es mittlerweile bisschen in den Griff bekommen mit Deiner Migräne durch entsprechende Medikamente. 2 x am Tag ist ja allemal zu oft!

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#6

RE: Migräne, eine Verlegenheitsdiagnose

in Junge Schlaganfallbetroffene - Treffpunkt für ihre Sorgen und Ängste um Zukunft, Familie, Beruf ... 28.11.2010 14:21
von Bmitte • 31 Beiträge

hallo anleonym,
bei mir fing auch alles mit einer Migräne an...... damals dachte man noch ich sei erblich vorbelastet, da 2/3 meiner familie darunter litt. ich war immer in arztl. behandlung damit und wurde über jahre mit speziellen tbl und/oder spritzen behandelt.
bis es 2002 zum schlaganfall kam.
ich ließ mich danach auch mal von einem schmerztherapeuten untersuchen, der mir dann sagte, warum hat man das nicht früher abgeklärt, ich hatte noch zusätzlich ein Anti-Phosphorlipidsyndrom( WELCHES, dieser Arzt, sagte schon ein Vorbote hätte sein können),
aber es wurde erst nach dem Schlag gefunden, frag doch mal deinen DOC ob er darauf untersucht, denn der schmerzdoc meinte DIE MEISTEN MIGRÄNEPAT. hätten das nachweislich erhöht im blut.

gut, ich denke in meinem persönlichen fall hätte mir das wissen wenig genutzt, denn ich hatte eine hirnblutung und einen stenose der halsschlagader.
wenn noch mal so etwas auftaucht wie bei dir rufst du gleich 112 und sagst verdacht auf schlaganfall, damit du SOFORT auf eine stroke unit kommst, jede sekunde zählt.
liebe grüße ines

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