Neueste Erkenntnisse zum offenen Foramen ovale
In der Schlaganfallliteratur tobt ein
erbitterter Kampf um die Frage, ob ein
offenes Foramen ovale tatsächlich ein
Risikofaktor für einen rezidivierenden
Schlaganfall ist. Bei jüngeren Patienten
scheint dies bei kryptogenen
Schlaganfällen in einer Subgruppe von
Patienten so zu sein. Die Arbeitsgruppe
von der TU München erfasste
konsekutiv 763 Patienten mit cerebraler
Ischämie. Bei allen Patienten
wurde eine transkranielle Dopplersonografie
mit und ohne Valsalva-
Manöver zur Identifikation eines
Rechts-Links-Shunts durchgeführt.
Endpunkte waren erneute ischämische
Insulte, Myokardinfarkte und
Todesfälle. Endpunkte waren von 639
Patienten verfügbar. Zum Zeitpunkt
der Erstuntersuchung hatten 28% der
Männer und 42% der Frauen einen
Rechts-Links-Shunt. 1,6% der Patienten
mit Rechts-Links-Shunt und
5% der Patienten ohne Rechts-Links-
Shunt hatten in der Folgezeit einen
erneuten Schlaganfall. Dabei spielte es
keine Rolle, ob die Patienten oral antikoaguliert
waren oder nicht. 17
Patienten erlitten einen Myokardinfarkt,
2 davon hatten einen Rechts-
Links-Shunt. Die Mortalität unterschied
sich nicht signifikant.
Kommentar:
Die Autoren aus München kommen zu
dem Schluss, dass ein Rechts-Links-
Shunt, der mit Hilfe der transkraniellen
Dopplersonografie identifiziert
wird, kein Prädiktor für erneute
Schlaganfälle oder Todesfälle ist. Hier
muss allerdings kritisch angemerkt
werden, dass sich die Studie nicht ausschließlich
auf Patienten mit kryptogenen
Schlaganfällen konzentriert und
dass der Zeitpunkt der Nachbefragung
nicht prospektiv standardisiert war.
Das Ergebnis dieser Studie passt aber
gut zu der gerade eben abgeschlossenen
CLOSURE-1-Studie, die bei
Patienten mit kryptogenem
Schlaganfall mit und ohne interventionellen
Verschluss eines offenes
Foramen ovale keinen Unterschied in
der Rate erneuter Schlaganfälle fand.
(HCD)
Quelle: Stroke News 04/10
Feurer R, Sadikovic S, Sepp D, Esposito L, Schleef M, Bockelbrink A,
Schwarze J, Hemmer B, Sander D, Poppert H. Patent foramen ovale is not
associated with an increased risk of stroke recurrence. Eur J Neurol
2010;17:1339-1345
Beste Grüße
Willi Daniels