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Neuer Ansatz für die Reparatur des Gehirns

in Neues aus der Forschung 12.01.2008 16:38
von Ich
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Berlin - Im Kampf gegen die Auswirkungen von Erkrankungen wie Alzheimer oder Schlaganfall auf das Gehirn gehen Berliner Forscher neue Wege: Die Experten der Charité fanden einen Mechanismus, mit dessen Hilfe künftig Abwehrzellen im Gehirn durch neue ersetzt werden könnten. «Das wäre für alle Erkrankungen des Gehirns von großer Bedeutung», erklärt Josef Priller vom Labor für Molekulare Medizin der Universitätsklinik.

Im Visier haben die Wissenschaftler die sogenannten Mikroglia-Zellen, die aus dem Knochenmark entstehen und sich bei der Geburt im Gehirn ansiedeln. Dort bekämpfen sie Krankheitserreger und erkennen krankhafte Veränderungen des Gehirns, etwa bei Schlaganfall, Alzheimer oder Multipler Sklerose. Bereits vor sechs Jahren konnte Priller im Tierversuch nachweisen, dass die Mikroglia neu gebildet und gezielt an die geschädigte Stelle im Gehirn transportiert werden können. Jetzt zeigte der Professor gemeinsam mit Kollegen aus Göttingen, Regensburg und Zürich an Mäusen, unter welchen Voraussetzungen das gelingen kann.

«Es ist ein komplizierter Prozess», sagt Priller: Zunächst müssen das Knochenmark und die restlichen Abwehrzellen einer Maus durch das Knochenmark einer anderen Maus ersetzt werden. Dadurch bilden sich Monozyten - also Vorläuferzellen der Mikroglia -, die ins Gehirn wandern und in neue Abwehrzellen umgewandelt werden. Dazu muss laut Priller allerdings der ganze Körper des Empfängers einschließlich des Gehirns vorher bestrahlt werden. «Wenn man das Gehirn nicht bestrahlt, wandern die Monozyten dort nicht hin, und es entstehen keine Mikroglia», erklärt der Wissenschaftler.

Die Experten wollen die Vorgänge nun noch genauer klären und vor allem prüfen, ob die Ergebnisse des Tierversuchs auf den Menschen übertragen werden können. Priller hofft, eines Tages vielleicht sogar auf das fremde Knochenmark und die Bestrahlung verzichten zu können. Möglicherweise könne es genügen, Zellen aus dem Blut des Patienten selbst zu isolieren und sie gentechnisch zu verändern. Dann könnten spezielle Signalmoleküle die Zellen veranlassen, im Gehirn mit der Reparatur des Schadens zu beginnen, den eine Alzheimer-Erkrankung oder ein Schlaganfall hinterlassen haben.

net tribune

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