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Schlaganfall: Frauen in Gefahr

in Aktuelles aus der Presse, Forschung, Gesundheitswesen und Politik 13.05.2008 14:31
von Ludger


Auf der Schichtaufnahme des Gehirns ist die durch einen Schlaganfall geschädigte Stelle deutlich zu erkennen.



Plötzlich ist die Sprache weg, das Blickfeld getrübt, ein Arm oder ein Bein oder auch der Mundwinkel hängt herunter. Auch wenn diese Symptome nur kurz andauern - es sind deutliche Zeichen für einen Schlaganfall. Rund

200 000 Männer und Frauen erleiden nach Schätzungen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Deutschland jährlich einen solch lebensgefährlichen Hirnschlag. Bis zu 30 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb der ersten Wochen, bis zu 70 Prozent behalten eine körperliche Beeinträchtigung zurück.

Wie gut oder schlecht die Prognose eines Schlaganfallpatienten ist, scheint aber nicht nur eine Frage der schnellen Therapie, sondern auch des Geschlechts zu sein. Wissenschaftler der Michigan State University veröffentlichten kürzlich in der Zeitschrift „Stroke“ schockierende Zahlen. Nur jede zweite Frau, die nach einem akuten Schlaganfall aus der Klinik entlassen wurde, konnte danach nach einem Vierteljahr ihren Alltag ohne fremde Hilfe erledigen, bei den Männern waren es 70 Prozent.

Dass mehr Frauen als Männer durch einen Schlaganfall zu einem Pflegefall werden, mag einen ganz einfachen biologischen Grund haben: Frauen werden älter, und mit dem Alter steigt das Schlaganfall-Risiko. Frauen sind heute durchschnittlich 75 Jahre, wenn sie einen Schlaganfall erleiden, Männer nur 68. Für Christian Dohmen kann das Alter nicht die alleinige Ursache für das schlechte Abschneiden der Frauen sein - zumal neuere Untersuchungen zeigten, dass schon nach der Menopause die Schlaganfall-Häufigkeit bei Frauen deutlich zunimmt. „Mit der Menopause sinkt der bis dahin die Gefäße schützende Östrogenspiegel rasch ab“, erläutert der Regionalbeauftragte der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Damit seien Frauen „ab einem mittleren Alter“ auch den klassischen Risikofaktoren (neben Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- oder Blutzuckerwerte) ausgesetzt. Das Problem freilich sei, dass bei Frauen in dem Alter nur die wenigsten an eine Gefäßerkrankung denken.

Risiko: Bluthochdruck

Dabei gehöre Bluthochdruck, der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall, bei Frauen häufiger zum Risikoprofil als bei Männern. Ebenso hätten Frauen, die an dem Metabolischen Syndrom leiden, das heißt zusätzlich zum Bluthochdruck auch einen erhöhten Blutzucker- und Cholesterinspiegel haben, ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Arteriosklerose zu erkranken, erklärt Dohmen, der als Neurologe an der Stroke Unit der Kölner Uniklinik arbeitet, einer interdisziplinär arbeitenden Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten.

Ein weiterer Grund für die schlechte Prognose der Frauen ist für Dohmen der Schweregrad ihrer Schlaganfälle. „Anders als bei Männern haben Schlaganfälle bei Frauen häufig ihre Ursache in Herz-Rhythmusstörungen, die sich als Vorhofflimmern bemerkbar machen. Sie erleiden dadurch schwerere Schlaganfälle.“

Und auch wenn ein Schlaganfall bei Männern und Frauen grundsätzlich mit ähnlichen Symptomen einhergeht, sieht Prof. Rolf Schneider, wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, auch in diesem Punkt eine mögliche Ursache für das ungleiche Ergebnis: „Bei Frauen finden sich häufig auch seltenere Symptome wie Bewusstseinsstörungen, Schmerzen, Missempfindungen oder Verwirrtheit. Das führt dazu, dass es bei Frauen länger dauert, bis sie ins Krankenhaus kommen.“

Dabei - und das ist die positive Nachricht für Frauen - zahlt sich gerade für sie eine schnelle Behandlung aus. Werden sie optimal therapiert und innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Schlaganfall lysiert, das heißt mit Medikamenten die Blutgerinnsel in den Blutgefäßen gestoppt, dann erzielen sie ein besseres neurologisches Ergebnis als Männer. „Die Lyse-Therapie wirkt bei Frauen besonders gut, Gerinnsel werden besonders gut gelöst“, erläutert Neurologe Dohmen. Mit einer optimalen Lyse-Therapie auf einer stroke unit behielten 41 Prozent der betroffenen Frauen keine oder fast keine Behinderung zurück, bei den Männern nur 38 Prozent.

„Derzeit aber kommen überhaupt nur fünf Prozent der Schlaganfallpatienten früh genug für eine Lyse-Therapie ins Krankenhaus“, bemängelt Dohmen. Möglich sei eine solche Therapie aber bestimmt bei 30 Prozent der Patienten. Deshalb rät er, egal ob Mann oder Frau, bei Anzeichen eines Schlaganfalls keine Zeit zu verlieren. Erst einmal abzuwarten, bis es besser werde, sei der größte Fehler, genauso die Überlegung, zunächst den Hausarzt zu rufen. Stattdessen solle man sofort den Notruf 112 wählen und eine Stroke unit ansteuern. Bei einem Schlaganfall zähle jede Sekunde - für Mann und Frau. Schließlich sterben pro Sekunde 32 000 Hirnzellen.


Quelle



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