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Ein Marktplatz der Selbsthilfe

in Selbsthilfe 20.05.2008 14:39
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Bad Liebenstein – Es ist zehn Jahre her, dass in Bad Liebenstein die Selbsthilfegruppe Schlaganfall gegründet wurde.

Aufmerksam verfolgten etwa 270 Teilnehmer die Vorträge des 5. Selbsthilfetags unter dem Motto: „Selbsthilfe im Dialog“.der m&i-Fachklinik, und wir hatten damals noch keine Ahnung, wie so etwas funktioniert. Jede Menge Fragen standen offen“, sagte Siegmar Gattung, Gruppensprecher der SHG Schlaganfall. Aus Eisenach, Winterstein, Steinbach-Hallenberg, Bad Salzungen, der Rhön und natürlich aus Bad Liebenstein seien die Interessenten damals gekommen. „Inzwischen haben wir einiges in Sachen Selbsthilfe dazugelernt – auch durch die intensive Unterstützung der Klinik“, so Siegmar Gattung. Heute arbeite man völlig selbstständig, habe die Zusammenarbeit mit der Klinik neu organisiert, um konkrete Termine für Arztvorträge oder andere gemeinsame Veranstaltungen abzustimmen. „Jetzt bereiten wir gemeinsam den 5. Schlaganfalltag vor, der im September stattfindet, und an dem wir unser zehnjähriges Bestehen feiern wollen.“ Was die Selbsthilfegruppe Schlaganfall in den letzten Jahren alles unternommen und geleistet hat, das konnten die Teilnehmer des 5. Selbsthilfetages an der m&i-Fachklinik an einem Infostand selbst erkunden. Ein dickes Album zeigte, dass die Menschen um Siegmar Gattung und Gruppenleiterin Ilona Schröder richtig viel erlebt haben.

Monika Franken aus dem Moorgrund steht hingegen mit ihrer Selbsthilfeerfahrung ganz am Anfang. „Ich habe Kontakte zu Gruppen in Sachsen, suche aber schon längere Zeit Menschen in unserer Region, die an Fibromyalgie leiden.“ Beim Selbsthilfetag hoffe sie, von dieser rheumatischen Erkrankung betroffene Menschen kennenzulernen und zu schauen, welche Möglichkeiten und Unterstützung es gibt, eventuell selbst eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Bei 270 gemeldeten Teilnehmern des Selbsthilfetages sei sie zuversichtlich, mit vielen Informationen nach Hause gehen zu können.

Für die Veranstalter des Selbsthilfetages ist diese Teilnehmerzahl und die Tatsache, dass sie in den letzten Jahren immer etwas gestiegen war, ein Beweis dafür, dass die Veranstaltung gebraucht wird. In diesem Jahr hatte man sie unter das Motto „Selbsthilfe im Dialog“ gestellt. Der Selbsthilfetag solle mit Vorträgen, Workshops und Infoständen helfen, diesen Dialog über die eigene Gruppe hinaus zu führen, die Meinung anderer genauso zu prüfen wie die eigene, forderte Rolf-Peter Höhle, kaufmännischer Leiter der Fachklinik, auf, diesen Tag als „Marktplatz der Selbsthilfe“ zu nutzen.

Ziel der Veranstaltung sei es auch, dem Thema Selbsthilfe an sich zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen, unterstrich Schirmherrin Katharina Althaus in einem Grußwort. Mehr als 1500 Selbsthilfegruppen gebe es im Freistaat Thüringen. „Die Menschen, die hier aktiv sind, machen das Leben Tausender lebenswerter, manchmal gar erst wieder lebenswert“, so die Ehefrau des Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Die Selbsthilfethemen reichten von Essstörungen über die Folgen von Stress und Mobbing bis hin zu Wirbelsäulenproblemen schon bei Jugendlichen. „Die Kraft des Gespräches, des Dialoges, des Erfahrungsaustausches ermöglicht aber nicht nur Erkenntnis über medizinische Hintergründe und Behandlung, sondern auch eine Auseinandersetzung mit Problemen und Selbstzweifeln“, so Katharina Althaus, die auch auf eine neue Form des Dialoges, nämlich dem, der in vielzähligen Internetforen geführt werde. „Das ist zwar anonym, doch hilfreich auf dem Weg in die Öffentlichkeit und es dient der Aufklärung.“

Die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte, Johanna Arenhövel, überbrachte stellvertretend für die neue Ministerin für Gesundheit und Soziales, Christine Lieberknecht, eine Grußbotschaft. Sie würdigte die Selbsthilfe als akzeptierten und wichtigen Pfeiler des Gesundheitswesens, der es weiterentwickelt, indem er auf Defizite im System und der Forschung hinweist. 50 000 Ehrenamtliche würden sich in der Selbsthilfe engagieren – Menschen, die dies oftmals trotz eigener Erkrankung tun.

Auch Monika Franken aus dem Moorgrund leidet so stark an Fibromyalgie, dass sie ihre selbstständige Arbeit aufgeben musste. Trotzdem möchte sie sich engagieren. „Diese Krankheit ist ein schleichender Prozess, der sich bei mir schon über Jahre hin entwickelt“, erklärt die Betroffene. Jeder Tag sei anders, auch die Schmerzen würden immer einen anderen Charakter haben. Gründe für den Ausbruch und die Verschlimmerung der Krankheit können psychischer Natur sein, doch weil man diese Krankheit dem Betroffenen nicht ansieht, werde er oft als Simulant verrufen. „Ich hoffe, bald Menschen zu finden, die mitziehen wollen – einfach aus der Motivation heraus, sich selbst und anderen zu helfen“, sagt Monika Franken ( 03695-852678, Mail: franken-dl@online.de) sdk

Quelle: Südthüringer Zeitung

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