#1

Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 14.06.2008 21:49
von Anja • 4 Beiträge

Ich weiß grad einfach nicht wohin...

Meine Oma hatte gestern am Freitag dem 13ten einen Schlaganfall...sie ist 79 und hat ihre eigene Wohnung mit meinem Opa, beiden waren imm top fit, keiner raucht, keiner trinkt, sie bewegen sich. Wir waren immer froh, das sie sich noch alleine behelfen können, mein Opa arbeitet sogar noch und meine Oma hat immer den ganzen Haushalt geschmissen, sie wollte gar nicht groß, das man ihr hilft...
Nun ist es so, das wohl die rechte Körperhälfte betroffen ist, ein Auge und sie bringt keinen Ton raus... Ich weiß gar nicht mehr, weil man mich auf der Intensivstation nicht zu ihr lässt....ich bin 20 Jahre alt und weiß einfach nicht was ich jetzt machen soll... Meine Oma war immer für meine Mutter die größte Bezugsperson (klar, ihre Mutter)....meine Mutter ist nämlich selbst ein Pflegefall, nachdem sie mehrere Tumore hatte und ihr nun noch ein Fuß amputiert wurde und sie 3 mal die Woche zur Dialyse muss....sie flippt völlig aus, weint nur noch und ich hab einfach niemanden der mir hilft...
Ich hab zwar einen Bruder, aber den interessiert das alles nicht, er gönnt es meiner Oma..."endlich hält sie mal die Klappe"....

Ich bin wahrscheinlich mehr ein Fall für einen Psychologen, als für ein Forum.
Aber ich hab Fragen....kann meine Oma ihre Sprache denn wiedererlangen? Die Ärzte sagen das 1 von 8 Patienten auf ein Medikament ansprechen, sie das aber nicht tut...wars das jetzt etwa?
Geben sich solche Lähmungen in dem Fortgeschrittenen Alter überhaupt noch?

Na ja danke...

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#2

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 15.06.2008 09:19
von Elke_Hillbrand

Hallo Anja,
ich möchte dich hier im Forum willkommen heißen. Es ist sicher gut, dass du hier Hilfe suchst. Hier hört immer jemand zu und alle hier kennen ähnliche Situationen wie du sie jetzt erlebst.
Deine Lage ist wirklich schwierig, und da kann man sich schon sehr verzweifelt, einsam und hilflos fühlen.

Wie bei jedem Schlaganfall kann man zu der Prognose für deine Oma wenig sagen. Grundsätzlich gilt: Alles ist möglich! ... Erfahrungsgemäß ist es leider oft so, dass Schlaganfallpatienten von den Ärzten schnell aufgegeben werden. Lass dich davon nicht beirren. Denn es stellt sich immer wieder heraus, dass sich Patienten (auch ältere) viel besser erholen, als es die Ärzte für möglich gehalten hätten.

Ich weiß nun nicht warum dich die Ärzte nicht zu ihr lassen. Schließlich bist du neben deinem Opa die nächste Angehörige! Du solltest das nachfragen und darauf drängen, dass du zu ihr darfst (vielleicht mit deinem Opa zusammen?) - Schließlich hast du (leider) Erfahrung mit Krankheiten und wirst der Sache sicher gewachsen sein, auch wenn es nicht leicht ist. Ich denke, dass es für deine Oma wichtig wäre, dass du bei ihr bist und ihr Mut machen kannst! Wenn du nähere Infos von den Ärzten bekommst, könntest du uns davon berichten. Wir hier im Forum können dir nur etwas Hilfestellung geben. Aber das hilft auch schon oft weiter...
Deinen Bruder können wir wohl außen vor lassen. Aber vielleicht gibt es ja im Umfeld noch andere Verwandte oder Nachbarn, die dich, und auch deine Mutter ein bisschen unterstützen könnten?! Schau doch mal ob es bei euch am Ort eine Selbsthilfegruppe gibt, wo du dich anschließen könntest. Auch nach psychologischer Hilfe solltest du dich ruhig umsehen. Das kann ebenfalls hilfreich sein uns ist in deiner Situation sicher angebracht. - Auch wenn du durch die Krankheit deiner Mutter sicher früh erwachsen werden musstest, bist du noch sehr jung und wirst die gesamte Situation ohne Unterstützung kaum meistern können. Ich habe einen 20-jährigen Sohn, und auch meine Kinder sind durch die schwere Krankheit ihres Vaters reifer als ihre Altersgenossen. Trotzdem ist es natürlich schwierig, und auch "ältere" Angehörige kommen bei solchen Problemen oft an ihre Grenze der Belastbarkeit. Deshalb solltest du wirklich sehen, dass du ein wenig Hilfe findest. Denn du musst bei all dem schließlich auch auf dich selbst aufpassen.

Liebe Anja, es ist bewundernswert wie du dich um deine Familie sorgst und kümmerst, und es werden sich in der nächsten Zeit sicher noch viele Antworten finden, so dass du dich in deiner Lage doch etwas sicherer fühlen wirst.

In diesem Sinne wünsche ich dir erstmal alles Gute, und hoffe, dass du uns weiter von euch berichten wirst.

Sei ganz lieb gegrüßt

Elke


"Möge Gott mir die Gelassenheit geben,
die Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!"
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#3

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 15.06.2008 14:50
von Manfred- Mader • 337 Beiträge

Hallo Anja,

nun, 79 ist ein schönes Alter, meine Mutter ist auch so alt. Auch meine Eltern sind noch agil wie 50 jährige und kümmern sich gemeinsam mit meiner Frau um mich!!!

Ich hatte mit 44 Jahren eine Hirnblutung und war 2 Jahre ein schwerer Pflegefall. Heute lebe ich ein halbwegs normales, selbstständiges Leben.

Zunächst zu den Sprachstörungen, das kann man ganz gut therapieren. Die Lähmung der rechten Seite wird sie wahrscheinlich behalten, aber mit Therapie wird sie vielleicht wieder gehen lernen, wie ich!!!

79 ist aber ein Alter, wo man die Großeltern schon gehen lassen kann. Der Tod ist nichts schlimmes, nur leider ist er für die Anghörigen unbegreiflich.

Liebe Grüße Manfred


Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein
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#4

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.06.2008 18:01
von Anja • 4 Beiträge

Komm grad aus dem Krankenhaus...sie liegt in einem tieferen Koma...
Laut Chefarzt hat sie nur noch ein paar Tage zu leben...höchstens...
Hab mich verabschiedet...kanns noch gar nicht fassen...
Ich muss nach und nach meine ganze Familie zu Grabe tragen...

Danke euch trotzdem...

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#5

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 16.06.2008 18:47
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge
Hallo Anja,

es tut mir sehr leid was deiner Oma widerfahren ist und ich kann auch sehr gut deinen Schmerz nachvollziehen.

Ich hatte selbst 3 Schlaganfälle, und ich muss sagen, dass mein erster Gedanke nach dem Wachwerden nach dem 1. Schlaganfall folgender war: "Das wäre ein sehr schöner Tod gewesen".

Natürlich wäre das für meine Familie ein unfassbarer Zustand gewesen, doch für mich, also für den Betroffenen, wäre es mehr als akzeptabel gewesen.

Auf die Aussagen der Ärzte was die Lebenserwartung bzw. Genesung anbelangt, würde ich nicht allzuviel geben. Ich war Ende vergangenen Jahres auf einer Pressebesprechung mit einem Prof. und auf die Frage, welche Frage ihm als Arzt unliebsam ist, hörte man: "Über fachliches kann er jederzeit Stellung nehmen, aber die Frage, ob jemand nach einem Schlaganfall wieder gesund wird oder behindert bleibt, würde er sich nie wünschen. Denn er kann sie nicht guten Gewissens beantworten."

Eine Verabschiedung von deiner Oma war sicherlich nicht verkehrt, doch sollte man die Hoffnung erst aufgeben, wenn keine mehr gegeben ist.

Egal wie sich nun das Schicksal deiner Oma weiter entwickeln wird Anja, möchte ich dir sagen, dass du jederzeit hier Zuhörer, Leser und vielleicht auch mehr für deine traurige Situation findest.

Liebe Grüße
Willi Daniels
zuletzt bearbeitet 16.06.2008 18:52 | nach oben springen

#6

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.06.2008 20:10
von Anja • 4 Beiträge

Ich krieg die Krise...erst sagen die Ärzte, sie wird sterben und das hat sich in den nächsten Tagen und mir wurden selbst die Röntgenbilder gezeigt...60 % der linken Hirnhälfte, sind komplett tot, die linke Seite hat die rechte Seite verschoben. Nun heißt es sie kommt Anfang nächster Woche nach Hause!?! Hab ich irgendwas verpasst?
Die Vitalfunktionen seien normal und sie ist ansprechbar, die Ärzte rechnen trotzdem mit dem Tot, schicken sie jetzt aber zu meinem Opa zur Pflege nach Hause?!
Sind die bei uns nur so dämlich, oder hab ich was nicht mitbekommen?

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#7

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 29.06.2008 22:51
von Manfred- Mader • 337 Beiträge

Hallo Anja,

wurde denn keine Reha beantragt?

Sprich mit ihrem Arzt, dass er das befürwortet und geh in die Sozialstation, um zu erfahren, wo in eurer Nähe so eine Einrichtung ist, damit sie da hinkommt. Es ist für deinen Opa schon eine Belastung sie zu besuchen, aber pflegen kann er sie nicht!!!

Liebe Grüße Manfred


Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein
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#8

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 13.07.2008 15:25
von Anja • 4 Beiträge

Sorry das ich erst so spät antworte....hab aber einiges um die Ohren >.<

Also, sie kam gestern nach Hause...natürlich Pflegebett etc.
4 mal täglich kommt die Diakonie und hilft bei der Pflege, von Reha überhaupt keine rede, wenn müsste sie in ein Heim, das will mein Opa allerdings nicht. Die Logopädin und die anderen kommen jetzt ab morgen in regelmäßigen Abständen.
Sie will immer was erzählen, das ist aber mehr Gebrabbel wie bei einem baby.....ich versteh sie einfach nicht...so sehr ich mir auch Mühe gebe...
Eigentlich wird sie künstlich ernährt, der Schlauch wurde in den Bauchraum direkt verlegt....sie kann aber selbstständig trinken, gut mit ner Schnabeltasse....aber trotzdem, wenn das geht kann doch der Schluckreflex nicht weg sein!?!
Und sie bewegt wie ich beobachtet habe, ihren rechten großen Zeh...aber der Arm rechts scheint ganz gelähmt zu sein...

Was haltet Ihr davon? Das ist das totale Gegenteil von dem was die Ärzte heraufbeschworen haben!

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#9

RE: Ganz alleine...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 13.07.2008 17:00
von Manfred- Mader • 337 Beiträge

Hallo Anja,

Therapeuten kommen auch ins Haus. Deine Oma wird in ihrer Umgebung sicher besser mobilisiert und sie wird zu Hause die besten Fortschritte machen.

Für deinen Opa ist es auch angenehmer, wenn sie zu Hause ist. Deine Oma braucht Physio- und Ergotherapie, so wie Lögopädie, dann kommt eine gewisse Lebensqualität von alleine zurück. Das verordnet meist der Hausarzt

Ärzte sagen meist das Schlechteste und haben deshalb nicht immer Recht, ist aber besser als umgekehrt!!!

Das mit dem Schlucken, besprich am Besten mit der Logopädin.
Lass Oma auf einem Laptop schreiben, vielleicht könnt ihr so kommunizieren.

Liebe Grüße Manfred


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