#1

Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 07.09.2008 22:48
von Birgit377 • 2 Beiträge

Hallo

ich bin neu hier weil ich vorhin im Internet nach einem Schlaganfall-Forum gesucht habe. Und hier schreibe ich mir gleich mal meine Sorgen von der Seele. Mein Freund, den ich seit über 12 Jahren kenne erlitt im November 2007 einen schweren Schlaganfall . Ein Teil der Schädeldecke mußte entfernt werden damit er überhaupt überleben konnte. Danach lag er über 3 Wochen im künstlichen Koma. So genau wußten die Ärzte nicht ob er es schaffen würde, es gab Komplikationen, Wasser in der Lunge usw.. Es war zum Glück eine sehr gute Klinik und ein wirklich guter Arzt ! ! Jedenfalls ist er nun nach fast 8 monatiger Reha(in einer weniger guten Klinik unserer Meinung nach..) nun in einer Wohngruppe speziell für Schädel - Hirn - Verletzte Menschen nach Schlaganfällen, Unfällen o.ä. Eine linksseitige Lähmung und Neclect hat er davon getragen. Zum Glück ist er geistig total fit, kann schreiben, rechnen, macht auch immer noch seine Späße und alles .. Mit großer Übung soll er wieder ein paar Schritte laufen lernen. Jedenfalls war ich in der meisten Zeit mit meinen Sorgen und Ängsten um ihn alleine. Ich sass an seinem Bett habe immer gehofft, dass er überlebt, habe ihn in der Reha so gut es mir möglich war begleitet (dazu muss ich sagen, dass ich berufstätig bin und psychische Probleme habe).Auch jetzt bin ich so oft es mir möglich ist in der Wohngruppe bei ihm und gehe mit ihm im Rollstuhl spazieren und versuche und tue alles damit es ihm soweit gut geht. Das Schlimmste, seine Familie kümmert sich nicht um ihn. Seine Schwester war seine gesetzliche Betreuerin aber sie war nie wirklich da (sie erledigte halt die schriftliche Angelegenheiten aber auch nur das aller notwendigste) vorallem kann sie meinen Kummer und Traurigkeit nicht nachvollziehen.Was ich alles mache und gemacht habe war selbstverständlich nie hat mal von seiner Familie jemand gefragt wie es mir dabei geht. Dabei war ich oftmals überfordert und wußte nicht mehr weiter. Ich weiss dass ich zu ihm halten will, weil wir uns lieben, aber manchmal da kann ich einfach nicht mehr und ich denke so oft an früher an unsere schönen Ausflüge, Reisen und alles was wir einfach so zusammen erlebt haben und was jetzt nicht (mehr)möglich ist. ER war für mich im Prinzip immer der wichtigste Mensch in meinem Leben mit ihm habe ich die schönste Zeit meines Lebens verbracht. Auch meine Familie, Bekannte wissen nichts mehr mit mir anzufangen. Alle wollen mich ablenken, zu Unternehmungen bewegen, aber ich kann das einfach nicht. Eigentlich bin ich nur bei meinem Freund, gehe Arbeiten oder sitze zuhause.Ab und an würde ich gerne mal was anderes sehen, aber ich habe dann irgenwie ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber.
Jetzt habe ich doch ganz schön viel geschrieben und höre deshalb jetzt erstmal auf.

nach oben springen

#2

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 08.09.2008 09:52
von Elke_Hillbrand

Hallo Birgit,
ich möchte dich in diesem Forum lich willkommen heißen.

Deine Verzweiflung, deine Sorgen und Ängste kann hier jeder nachvollziehen, da ja alle hier solche oder ähnliche Erfahrungen machen mussten.

Eine traurige gemeinsame Erfahrung ist auch, dass sich Familie und Freunde zurückziehen, bzw. sich nicht in die Not versetzen können, die man auch als Angehöriger erleidet.

Du warst bisher sehr tapfer, und hast deinem Freund mit allen Kräften zur Seite gestanden und das ist eine sehr starke Leistung.
Und es ist ganz natürlich, dass man um das bisherige Leben trauert, und für sich selbst manchmal keine Perspektive mehr sieht!

Wenn dir mal nach anderen Unternehmungen ist, solltest du auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen haben, denn bei aller Liebe zu deinem Freund, darfst du auch nicht vergessen an DICH zu denken! Du brauchst auch mal Ablenkung und Aktivitäten, die dir neue Kraft geben.

In diesem Sinne erstmal die besten Wünsche für euch

Elke


"Möge Gott mir die Gelassenheit geben,
die Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!"
nach oben springen

#3

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 08.09.2008 18:52
von Bmitte • 31 Beiträge

Hallo, ich habe eine Bekannte, deren Geschichte deiner ähnlich ist. Nun, ich hatte meinen SAF mit 42. Ich kann mich aber Elke nur anschließen. Du mußt auch an dich denken, an deine Kraft, wo du sie auftanken kannst. Lass dich ablenken es sind sicher auch Freunde geblieben, oder? Freunde sollte man pflegen, bzw. man sollte sie, wenn sie das abkönnen mit ins Leben einbeziehen. Lade doch mal zu Kaffee u. Kuchen in diese WG ein u sieh was passiert. Es ist auch zu verstehen, wenn man sich erstmal isoliert. Am Ende aber dann schwierig. Ich schicke euch so viel Licht und Kraft. LG

nach oben springen

#4

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 08.09.2008 22:16
von Birgit377 • 2 Beiträge

Vielen lieben DANK für die netten Antworten ! ! Ihr seid wirklich nett ehrlich ! ! ...
Irgendwie ist es halt für mich immer schwieriger geworden die Angebote der anderen mal anzunehmen. Ich werde es versuchen. Am Freitag ist jetzt dann erstmal Sommerfest in der Wohngruppe von meinem Freund. Natürlich fahre ich hin.
Er hängt sehr an mir, genau wie ich an ihm. Er kann sich auch (noch) nicht so recht auf die Mitbewohner dort einlassen und geht allen eher aus dem Weg. Bei den Therapien macht er zum Glück mit besonders bei der Physio. Sein und natürlich auch mein größter Traum ist es, dass er wieder Gehen kann ! !
Eine zeitlang habe ich auch mal überlegt mit ihm in eine behindertengerechte Wohnung zu ziehen aber er wollte das dann nicht und meinte solange er nicht wieder selbstständiger ist, möchte er das so nicht. Und da ich teilweise große Probleme mit mir selber habe, hättte ich einerseits schon Angst davor gehabt ob ich diese Verantwortung usw.. hätte tragen können. Noch kommt dazu, dass wir in der Hinsicht weder von seiner noch meiner Familie richtige Unterstützung hätten kriegen können. Von Seiten seiner Familie sehe ich es so, sie haben ihn einfach "abgeschoben" .

Viele liebe Grüße und danke !
Birgit

nach oben springen

#5

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 08.09.2008 22:40
von Elke_Hillbrand

Hallo Birgit,

mit so einer Situation wie du sie nun hast, muss man auch erstmal klar kommen. Zunächst spielen ganz andere Dinge eine große Rolle: Die Genesung, Versorgung und Therpie deines Freundes.
Aber nun muss es auch für dich wieder einen Alltag geben, der auch für dich wieder Unterhaltung und Aktivietäten erhält. Da muss man erstmal lernen umzudenken und so wie ich das sehe, bist du doch auf einem ganz gutem Wege.

Ich finde es wirklich bemerkenswert wie liebevoll und intensiv du dich um deinen Freund kümmerst. Aber du darfst deine Situation als Angehörige auch nicht unterschätzen, zumal du ja auch schreibst, dass du selbst auch Probleme hast.

Machst du da eigentlich auch eine Threapie, auch in Bezug auf eure jetztige Situation?

Vielleicht hast du den Beitrag von (Elfe) Steffi gelesen zu Kampf/burn out?! ... Ich finde das passt auch ein bisschen auf dich. Steffi ist ja wie du auch Angehörige. Und wir kennen einige Beispiele wo die Angehörigen nach einer gewissen Zeit am Ende ihrer Kraft waren (Ich gehöre auch dazu)

Du möchtest ja sicher Deinen Freund auch weiterhin unterstützen, was ja auch für ihn ganz wichtig ist. Er ist noch jung und der SA liegt ja noch gar nicht sooo lange zurück. Ich denke mit guten Therapien, viel Übung und Geduld wird er sicher noch viel erreichen können.

Also Birgit ich wünsche weiterhin alles Gute und pass auf DICH auf!

LG
ELke


"Möge Gott mir die Gelassenheit geben,
die Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!"
nach oben springen

#6

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 09.09.2008 08:37
von Elfe • 132 Beiträge

Hall Birgit,

ich bin die Steffi, von der Elke sprach. Ich habe leider 3 Anläufe gebraucht, bis ich Deine Geschichte
ganz lesen konnte und auch drei Anläufe gebraucht, um zu Antworten, denn Deine Geschichte ist fast eine
1:1 Kopie von meiner.
Nur mit dem Unterschied, dass ich verheiratet bin, zwei Kinder im Alter von 11 und 12 Jahren haben und mein
Mann der Alleinverdiener bei uns gewesen ist.
Wie Elke schon sagte, hatte ich die Tage schon einmal auf den Eintrag von Bmitte geantwortet.

Über die Erkrankung meines Mannes brauch ich nicht viel zu schreiben. Schwere Stammganglienblutung, Not-OP mit Entdeckelung, externer
Vetrikeldrainage, künstliches Koma und und und.

Nach Aufwachen war da die linksseitige Lähmung, der Neglect und die Wahrnehmungsstörung.

Ich bekam meinen Mann nach nur 8 Wochen schon wieder nach Hause, obwohl er nur 3 Schritte am Stock gehen konnte, die Schädeldecke noch
reimplantiert werden mußte und er nicht mals mehr wußte, was er im Badezimmer machen sollte.

Doch ich bin ein Kämper und wollte den Kampf aufnehmen unsere Familie (alleine der Kinder wegen) zusammenzuhalten.

Ein Projekt, was mir rund um die Uhr alles abverlangte. Psychisch, wie auch körperlich. Was ich aber nie beachtete, das war meine Seele.

Wie Du schon sagtest, die Wehmut kommt irgendwann auf. Es ist nichts mehr wie früher. Wir haben sicherlich noch Glück, denn trotz der

schweren Erkrankung, ist mein Mann nach wie vor ein sehr liebenswerter und netter Mensch, er klag nicht über sein Schicksal (was aber wohl mit

Wahrnehmungsstörung zusammen hängt.) und ist in keinster Weise depressiv.

Vor einem halben Jahr habe ich eine Aushilftätigkeit angenommen mit der Absicht die Chancen auf eine Festanstellung zu erzielen.

Neben dem Fulltime-Job Familie kam so dann auch noch die Arbeit dazu. Aber die Arbeit war für mich schon fast Erholung. Ich kam raus, sah

mal etwas anderes, konnte meine Fähigkeiten unter Beweis stellen und bekam Anerkennung..etwas, was ich seit zwei Jahren nicht mehr bekommen

hatte. Die Belastung ging jedoch bis über meine Grenzen hinaus. So stand ich teilweise morgens um 4 Uhr auf um mit dem Hund noch eine

Stunde zu gehen, und wenn ich von der Arbeit kam, warteten Haushalt, Schulaufgaben etc.

Den absoluten Höhepunkt brachte dann eine Veranstaltung im Mai, bei der ich 14 Tage non-Stop am Stück arbeiten gehen mußte.

Und danach kam der Knall. Das kannst Du bei Bmitte lesen, dann brauche ich es hier nicht noch einmal niederzuschreiben.

Ich kann Dir nur unbedingt den guten Rat geben, bitte lass Dir professionel helfen.

Ich brauchte wirklich nicht lange zu überlegen um diesen Weg einzuschlagen, denn ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es bei

uns nicht nur um das Leben meines Mannes und meiner Kinder geht, sondern in erster Linie um mein Leben.

Ich muss für mich eine optimale Lösung finden, die mir das Leben wieder lebenswert macht, dass ich die schönen Dinge des Lebens

wieder genießen kann, dass ich abends wieder mit einem Lächeln im Bett liege und sage: Oh, was war das für ein schöner Tag heute.

All diese Dinge möchte ich gerne wieder haben und alleine werde ich es nicht schaffen.

Die Therapie läuft seit drei Wochen. Nicht jede Stunde ist einfach. In der letzten haben wie die Erkrankung aufgerollt (ich war sowohl bei der

Einblutung, als auch bei seinem ersten Grand-Mall-Anfall dabei) und ich war nach 20 Minuten am ganzen Körper am Zittern und wäre am liebsten

aus der Praxis gelaufen und vor lauter Heulerei konnte ich anschließend kaum nach Hause fahren.

Aber das gehört dazu und es zeigt mir, wo die Problematiken liegen und warscheinlich noch viele liegen werden.

Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig durch meinen Beitrag helfen konnte. Wenn Du Fragen hast, kannst Du mir gerne eine PN schicken.

LG Steffi

nach oben springen

#7

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 11.09.2008 14:22
von Bmitte • 31 Beiträge

Birgit, ich bin ja selbst betroffen. Ja, es ist normal. Das sich dein Freund erstmal alles von weiter weg betrachtet. Hauptsache sein Wille zum üben ist ungebrochen. Du bist sehr tapfer, echt! Du wirst sehen, wenn er wieder gehen kann, wird es besser Erfolge puschen uns nach vorne. Ihr werdet auch wieder reisen können, ABER denk bitte auch immer an dich und tanke Kräfte auf. Laß dir profesionell helfen, nein, es wird nicht einfach so eine Therapie. Aber ich glaube es wäre eine Hilfe für dich. LG

nach oben springen

#8

RE: Schlaganfall mit 43 Jahren

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 27.10.2008 14:36
von Manfred- Mader • 337 Beiträge
Hallo Birgit,

ich hatte 1996 eine Hirnblutung, ich war 5 Wochen im künstlichen Koma und musste danach atmen, schlucken, sitzen, stehen und gehen lernen.

Nach insgesamt einem Jahr Reha in der Frührehab und Anschlussrehab, hatte ich noch einige Jahre eine Therapeutin zu Hause, einmal in der Woche.
Nach 2 Jahren konnte ich wieder gehen und mit dem Auto fahren. Mit meiner Frau und Freunden waren wir auf Zypern zum Golfurlaub über Weihnachten. Da bin ich mit dem Car mitgefahren und habe geschrieben.

Später war ich mit meinen Eltern in Spanien und besuchte meinen Cousin, der dort lebt.

Ich komme gut alleine zu Recht und meine Frau macht schon mal eine Woche Urlaub mit ihrer Schwester, oder Cousinen. Ein wenig Abstand tut uns Beiden gut.

Dein "Mann"- Freund kann das auch schaffen, das Leben ist nicht vorbei, sondern es fängt gerade an.

Liebe Grüße Manfred

Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein
zuletzt bearbeitet 27.10.2008 14:39 | nach oben springen

Kostenloser Counter
Besucher
0 Mitglieder und 7 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: beni
Forum Statistiken
Das Forum hat 1630 Themen und 6678 Beiträge.

disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0