#31

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 16.03.2009 23:28
von friedger • 12 Beiträge

Hallo,

ich lese seit einiger Zeit aufmerksam die Beiträge, alles wichtige Sachen und Erfahrungen...
Mich plagen eine Reihe anderer Dinge und ich wundere mich, dass sie nirgendwo angesprochen werden. Gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, dass dies Ausnhamen sind
Bin 72, meine Frau 76, wir haben sehr konzentriert mit einander gelebt, vor 5 Monaten hat sie einen SA erlitten, linksseitig gelähmt, Kopf und sprachliche Kommunikation (trotz Trachestoma) okay. Lesen kann sie nur ganz große Schlagzeilen der Zeitung.
Folgendes macht mir sehr zu schaffen:
Wir hatten uns gegenseitig per Vorsorgevollmacht versprochen, uns nicht in solche Situationen kommen und hängen zu lassen, sondern die medizinische Versorgung abbrechen zu lassen. Trotzdem bin ich Schritt für Schritt dahineingerutscht, erst Tracheostoma, auf die sie nach jetziger Auskunft auf Dauer angewiesen sein wird wegen einer früheren Stimmbandlähmung, dann Magensonde, die "ewiges" Leben garantiert. Jetzt beginnt meine Frau in hellen Momenten und dunkler Stimmung, mich daran zu erinnern und macht mir heftige Vorwürfe, ich hätte sie im entscheidenden Moment allein gelassen. Sie wolle so nicht leben.
Das Schlimme, ich m u s s ihr Mut machen, weil sie sonst nicht einmal Spuren von Wiederherstellung erreicht, die tatsächlich auch geschehen, gleichzeitig kann ich ihr innerlich nur recht geben. Ich wünsche ihr, sie dürfe/könne ihrem Wunsch entsprechend gehen. Wir haben beide ein wechselvolles, intensives Leben gehabt.
Steckt noch jemand in einem solchen Dilemma?
Habe auch noch andere Probleme, aber dies reicht fürs Erste!
friedger

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#32

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 17.03.2009 07:11
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Hallo Friedger,

es stimmt leider, gewisse Dinge werden nicht oder kaum angesprochen.

Ich wünschte mir, nie in deine Situation zu kommen, denn es ist mehr als eine schwere Entscheidung, da man den Partner ja liebt und nicht verlieren möchte. Andererseits möchte man Leid von ihm abwenden. Als Laie steht man da vor einer unlösbaren Aufgabe. Selbst Ärzte können einen da wenig helfen, da bei vielen Inkompetenz vorliegt.

Ich habe vor 2 Wochen diesbezüglich einen Beitrag über Prof. Borasio ins Forum gesetzt, den ich kenne und schätze, und mit dem ich zusammenarbeite. Hier der Link zu diesem genannten Beitrag: http://www.schlaganfall-forum.info/t829f...petenz-vor.html

Lese dir bitte mal aufmerksam die Berichte durch. Man erkennt sogar als Laie welche Fehler gemacht werden und ich bin mir sicher, wenn jeder der mit der Thematik konfrontiert wird mehr Wissen besäße, er seine Entscheidung genauer abwägen würde. Man meint vieles gut zu machen, doch wie man lesen kann, tut man in manchen Dingen dem Betroffenen keinen großen Gefallen.

Ich würde mich freuen, wenn du auch über die anderen Probleme hier berichtest.

Mit besten Grüßen
Willi Daniels


"Schenke jedem Tag ein Lächeln und er lächelt zurück."
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#33

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 17.03.2009 09:13
von Manfred- Mader • 337 Beiträge

Hallo Friedger,

ich habe mich mit der Thematik lange auseinander gesetzt, auch meine Frau und ich, wollten als Pflegefall nie leben.
Gut, ich bin heute 57, meine Frau ist 53. Aber meine Eltern sind, Mutter 79, Vater 76 und das blühende Leben.
Ich denke du selber siehst auch noch einen Sinn in diesem Leben und fühlst dich nicht zu alt.

Als ich im Tiefschlaf war, machten Ärzte meine Frau darauf aufmerksam, dass ich nicht überleben werde und wenn, nur als schwerster Pflegefall- eben, wie deine Frau! Das war vor 12 Jahren und die Ärzte hätten gerne die Beatmung eingestellt.

Meine Frau entschied für mein Leben und ich führe heute ein schönes, zufriedenes, selbstständiges Leben!!!
Ich weiß, diese Entscheidung kann nur jeder für sich treffen.
Du hast entschieden, deine Frau soll leben. Ich denke, sie hat noch 10 Jahre, oder mehr vor sich, die die auch noch sehr schön sein können.
Meine Einstellung dazu ist: Gott sollte schon noch ein Wort mitreden können, obwohl ich nicht gläubig bin.

Mach deiner Frau noch ein paar schöne Jahre!!! Du tust dir und ihr einen Gefallen, den sie jetzt vielleicht noch nicht erkennt.

Ich hätte meine Enkeltochter nie kennen gelernt, deine Frau vielleicht ihre Urenkeln!

Liebe Grüße Manfred


Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein
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#34

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 17.03.2009 12:59
von Detlef&Floh • 58 Beiträge

Hallo Friedger

Du bist wirklich in einer blöden Situation!Ich hatte damals mit meiner Freundin abgesprochen das wenn jemnad so etwas passiert auch keine lebensverlängernde Maßnahmen gemacht werden.Als dann die Diagnose von den Ärzten kam das sie ein schwerstpflegefall bleiben wird wusste ich nicht was ich machen sollte.Ich wollte meinen Floh nicht verlieren wir hatten uns doch erst gefunden und wollten beide zusammen von vorne anfangen.Auf der anderen Seite wusste ich das es für sie keine Zukunft gibt so wie sie sie sich gewünscht hat Sport,Urlaub,Motorrad fahren usw.Ich musste für sie entscheiden und habe dies auch getan und ich habe es bis heute nicht bereut und sie auch nicht.Es is ein ganz anderes Leben für sie und auch für mich.Sie freut sich über die kleinen Dinge im Leben,ein Vogel der auf dem Balkon landet,eine Blume die blüht und das schönste von allen ist es wenn die Sonne scheint.Zeig ihr das es sich lohnt zu leben und das du bereit bist mit ihr zusammen dafür zu kämpfen,zeig ihr das du sie liebst!

Liebe Grüße Detlef und sein Floh

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#35

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 21.03.2009 23:49
von friedger • 12 Beiträge

Hallo,
danke für die Rückmeldungen, auch wenn sich nur wenige geäußert haben...
Aber meine eigentlich "Anfrage" wurde merkwürdigerweise überhört. Darum noch mal mein Problem in seiner ganzen Schärfe:

Das Schlimme, ich m u s s ihr Mut machen, weil sie sonst nicht einmal Spuren von Wiederherstellung erreicht, die tatsächlich auch geschehen, gleichzeitig kann ich ihr innerlich nur recht geben. Ich wünsche ihr, sie dürfe/könne ihrem Wunsch entsprechend gehen. Wir haben beide ein wechselvolles, intensives Leben gehabt.
Steckt noch jemand in einem solchen Dilemma?


Es geht mir nicht um politische / medizinische / ethische Aspkete, die sind natürlich unglaublich wichtig.
Ich erlebe als Partner eines schwer getroffenen Menschen, dass ich nicht die Kraft zu haben scheine, ihr das zu geben was sie, äußerlich gesehen, bräuchte. Ich müsste, streng genommen, von ihr weg gehen, um ihr nicht zu schaden - was ich aber auch und erst recht nicht kann und nicht will.

friedger

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#36

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 22.03.2009 10:53
von Detlef&Floh • 58 Beiträge

Hallo friedger

Unsere Partner hat es auch schwer getroffen ich habe meine Freundin gerade mal zwei Jahre gekannt als es passierte!!!
Ich glaube nicht das Dir jemand einen Tip gibt wie du dich entscheiden sollst diese Frage muss jeder für sich selber entscheiden!
Ich bin Amtlicher Betreuer von meiner Freundin,das heisst alles was ich für sie entscheide muss ich vor Gericht vertretten und glaube mir das is verdammt nochmal nicht einfach.Niemand kann dir sagen wie alles weiter geht und deine Frage die ich zwischen den Zeilen lesen kann,dazu werde ich mich bestimmt nicht äussern.

Lg Detlef

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#37

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 22.03.2009 12:59
von Corinna Iden • 532 Beiträge

Hallo Friedger

Ich denke nicht , das Deine eigentliche "Anfrage" überhört wurde.
Es ist wohl nur so , das wir als Außenstehende , Dir keinen Rat geben können.
Zumindest nicht den Rat ,den Du evtl. hören möchtest.

Du hast geschrieben , das Du da Schritt für Schritt reingerutscht bist,genau wie viele andere vor Dir und sicher auch nach Dir.
Ich kenne das von einigen Angehörigen , wo die Ärzte trotz Verfügung gefragt haben
"Wollen Sie ihre Frau verhungern/verdursten o.ä. lassen? "
Was willst Du dann schon darauf antworten.
Da sind wirklich die meisten Ärzte ziemlich inkompetent, da hat Willi recht.

Nun ist der SA auch gerade erst fünf Monate her,Fortschritte also durchaus möglich.
Vielleicht,ich wünsche es euch , gewinnt Deine Frau durch jeden noch so kleinen Schritt nach vorne auch wieder Lebensmut/freude.

Ich denke allerdings , mit Deiner innerlichen Zerissenheit wirst Du alleine nicht zurecht kommen.
Besteht die Möglichkeit , das Du Dir professionelle Hilfe holen kannst ?

Ich wünsche euch auf alle Fälle viel Kraft.

LG
Corinna


____________________

Jedermann will einen Freund haben ,
aber nur wenige geben sich die Mühe ,auch einer zu sein.

(A.Kerr)
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#38

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 23.03.2009 11:53
von Cori • 1 Beitrag

Hallo zusammen,

ich habe mich eben erst angemeldet. Habe beim Lesen der Beiträge gemerkt dass ich hier Trost finden kann - dass ich nicht allein bin mit den Gedanken, Ängsten und den vielen Fragen. Ich fühle so sehr mit euch allen.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht wo ich anfangen soll. Soviele Gedanken im Kopf die es zu sortieren gibt.

Ich bin 24 Jahre alt. Vor 15 Jahren erlitt meine Mutter im Alter von 38 Jahren einen Schlaganfall. Seit diesem Zeitpunkt ist sie pflegebedürftig. Ihr Erinnerungsvermögen ist wie ausgelöscht. Sie erkennt meinen Bruder und mich nicht, was sehr schwer zu verstehen war als Kind. Körperlich ist sie einigermaßen fit.
Mein Bruder und ich sind nach dem SA bei meiner Tante aufgewachsen, da es für meinen Vater nicht möglich war für uns da zu sein und gleichzeitig seiner Arbeit nachzugehen. Es war eine schwierige Zeit, aber die Zeit vergeht ohne das man es merkt.

Letzte Woche bekam mein Vater ebenfalls einen Schlaganfall. Ich habe bis zum heutigen Tage keinen Arzt sprechen können. Angeblich ist nie jemand zu sprechen. Den einzigen den ich zu Gesicht bekommen habe war ein Assistenzarzt der Wochenenddienst hatten. Auch er konnte mir nur schwammige Informationen geben. Auf Anfrage ob ich eine Kopie der Krankenakte bekommen könne, bekam ich ein klares Nein zu hören, obwohl ich ein Schreiben meines Vaters dabei hatte. Nun sitze ich hier. Kann nicht glauben dass einem soetwas zweimal im Leben in einer Familie passieren kann. Fühle mich allein gelassen von den Ärzten. Rufe stündlich im Krankenhaus an, nur um auf die nächste Stunde vertröstet zu werden.
Ich weiß nur dass mein Vater mehrere Schlaganfälle hatte. Die linke Seite ist gelähmt. Geistig wirkt er Gott sei Dank fit.

Für meinen Bruder und mich ist das alles wie ein Déja vu.

Ich weiß nicht wieviel Kraft wir noch haben. Sicher ist nur das wir kämpfen werden. Damals konnten wir die Diagnosen, die meine Mutter betrafen, nur so hinnehmen, weil wir Kinder waren. Jetzt sind wir 22 und 24 - erwachsen und können kämpfen.
Das uns solche Steine in den Weg gelegt werden seitens der Ärzte hätten wir nicht gedacht. Ich bin froh dass ich meinen Bruder habe. So können wir uns gegenseitig Kraft und etwas Trost spenden.
Wir fragen uns wie es weiter gehen soll. Reha, das ist klar. Und dann? Wird er ein Pflegefall bleiben. Könnte ich ihn zu mir holen und zu Hause pflegen. Wie sieht es dann mit meiner Arbeit aus... Alle sagen wir sollen erstmal abwarten. Aber das ist nicht einfach. Die Fragen stellen sich trotzdem.

Gleich ist es 12 Uhr - Zeit für einen erneuten Anruf im Krankenhaus...


In allen Dingen ist hoffen besser als
verzweifeln.
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#39

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 23.03.2009 23:52
von friedger • 12 Beiträge

Hallo Detlev&Floh und Corinna,

danke, dass ihr noch einmal reagiert habt...
Aber ich habe wirklich keinen Rat haben wollen, auch nicht wenn jemand dies zwischen den Zeilen hat lesen wollen oder sogar meint zu ahnen, welchen Rat ich unausgesprochen haben möchte. Nein! Nein!
Mit geht es nur darum, aber vielleicht ist das noch schwieriger zu leisten als einen Ratschlag zu geben:
Ich habe etwas in meinem inneren Erleben festgestellt, bin darüber erschrocken, wollte mich umhören, ob es andere gibt, die solches auch schon mal erlebt haben und die bereit sind, über so etwas mit mir und anderen Lesenden zu t e i l e n, vielleicht auch nur zu sagen, wie sie damit umgegangen sind und ob sie diesem Dilemma entkommen sind.
Wahrscheinlich hast Du Recht, Corinna, dass ich zu einem Ausweg nur durch professionelle Hilfe gelange, aber ich dachte, in einem solchen Forum könnte ich auch auf den unglaublichen Erfahrungsschatz der Mitlesenden stossen.

friedger

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#40

RE: Angehörige sind auch Betroffene

in Anlaufstation für Sorgen, Ängste, Stimmungen und Emotionen. 24.03.2009 00:15
von Trixie • 5 Beiträge

Lieber Friedger,

wenn ich ganz ehrlich sein will...verstehe ich wirklich nicht, was Du von

anderen hören möchtest. Worum genau geht es Dir? Du sprichst davon, dass Du Deine Frau

eigentlich verlassen müßtest..es aber nicht kannst..ihr eigentlich Mut machen müßtest (damit sich

Verbesserungen einstellen) aber auch damit scheinst Du Schwierigkeiten zu haben.

Dann hast Du ihren Wunsch abgeschlagen...konntest sie anscheinend nicht gehen lassen...

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Du Dein eigentliches Problem nicht wirklich aussprichst

und deshalb so wenig Resonanz hier bekommst.Sprich einfach mal Klartext..in ganz einfachen

Worten.


Liebe Grüße

Trixie

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