#11

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 25.02.2009 20:37
von linebiene • 64 Beiträge

Hallo zusammen,

nochmals vielen Dank für die vielen Antworten und Euer Mitgefühl!
Unglaublich, welche Erkenntnisse ich an einem Tag hier schon gewonnen habe.Ich denke mal das größte Problem ist eigentlich das, dass die wenigsten Ärzte noch die Zeit haben einem "Normalsterblichen" die Zusammnehänge zu erklären, die sich in einem Körper nach einem SA abspielen.
Unsere Hausärztin gibt sich sehr viel Mühe, aber trotzdem habe ich auch oft das Gefühl, dass sie viele Dinge selber nicht weiss.
Andererseits kann man ja von einem Allgemeinmediziner auch nicht verlangen, sich mit jeder Thematik bestens auszukennen.
Problematisch sehe ich oft die Zusammenstellungen der verscheidenen Medikamente, da man eben oft nicht weiss, ist das Problem eine Nebenwirkung eines Medikamentes oder gibt es andere Ursachen.
Da mein Vater mit der Kommunikation noch sehr viele Probleme hat, ist es auch sehr schwer herauszukriegen welche Symtome ihm tatsächlich zu schaffen machen.
Ausserdem ist eben unser ständiger Begleiter, die Angst, auch nicht immer hilfreich....Früher, als er noch gesund war, haben wir uns keine Gedanken gemacht, wenn ihm mal übel war oder wenn er einfach auch tagsüber sehr müde war, heute neigen wir (meine Mutter und ich) gerne dazu, gleich panisch zu reagieren und bombardieren ihn dann mit Fragen...Es ist ein Teufelskreis!
Er ist seit seinem Schlaganfall sehr oft müde und muss sich auch tagsüber oftmals hinlegen und ein kurzes Schläfchen machen...
Jeden Wetterwechsel scheint er enorm zu fühlen, im negativen Sinn.
Außerdem hat er sich in seinem Wesen stark verändert, dass macht am meisten meiner Mutter zu schaffen...er ist geradezu pedantisch geworden, wehe es liegt ein Krümel irgendwo auf dem Boden oder irgendwas fällt ihm runter, dann muss man sofort springen.
Früher war er eher das Gegenteil...Obwohl man eigentlich das Gefühl hat, er ist im Kopf ganz klar, merkt man doch immer wieder, dass sein Kurzzeitgedächtnis nicht so funktioniert, man hat manchmal das Gefühl er lebt in einer eigenen Welt...Anspruchsvolle Gespräche fallen aufgrund seiner Sprachprobleme auch weitestgehend flach, außerdem hat man auch das Gefühl dass ihn dass zu sehr anstrengt.Folglich versucht man die Kommunikation auch relativ einfach zu halten, was vermutlich auch ein Fehler ist.... Es ist so schwer zu wissen was richtig ist und falsch...
Aber es tut gut, hier ein forum gefunden zu haben, bei dem man sich austauschen kann, vor allem mit Betroffenen, die aus Ihrer sicht schildern können, wie es war, nach dem SA.
Wir werden sicher noch viel voneinander hören, ich will mal schaun, ob ich meine Mutter überreden kann sich auch im Forum anzumelden, ich glaube der Austausch täte ihr gut .
Bis denn
Linebiene

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#12

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 25.02.2009 21:03
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Hallo Linebiene,

Du sprichst in Deiner letzten Ausführung einen ganz wichtigen Punkt an. Die Wesensveränderung deines Vaters,

die Deine Mutte sehr belastet.

Für sie als Angehörige und Ehefrau sicherlich eines der größten Probleme überhaupt, da der Partner sich wirklich

von einer auf die andere Sekunde verändert...nicht mehr der Mensch ist, der er mal war.

Leider habe ich die Erfahrung machen, dass sich die Wesensveränderung nicht ändern wird..im Gegenteil zu vielen

anderen Dinge, die sich durch Training verbessern lassen.

Die Persönlichkeit ist das, was einen Menschen ausmacht. Sind Regionen im Gehirn beschädigt, die so eine Veränderung

der Persönlichkeit herbei führen, so wird man damit lernen müssen leben zu können.

Nicht einfach..Deine Mutter sollte sich dabei professionelle Unterstützung holen..

Du wirst feststellen, dass das sehr viele Angehörige hier gemacht haben..mich inklusive.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft, und dass sich bei Deinem Vater noch sehr viel verbessern wird.


Herzliche Grüße

Steffi
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#13

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 25.02.2009 21:06
von linebiene • 64 Beiträge

Ja, da ahst du wohl recht...aber ich denke ein erster Schritt für meine Mutter wird hierher ins Forum führen... ich bin mir sicher, sie wird hier sehr viel lernen und auch verstehen und außerdem wird es ihr gut tun, gleichgesinnte zu treffen.
DANKE EUCH ALLEN !
Gruß
linebiene

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#14

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 25.02.2009 21:08
von Corinna Iden • 532 Beiträge

Hallo Biene
Da muss ich Steffi recht geben.
Ich bin auch so eine Angehörige eines Wesenveränderten.
Deine Mutter aber auch Du solltet euch Unterstützung eines Therapeuten holen.
Den im Prinzip ist das auch ein großes Stück Trauerarbeit und Abschiednehmen vom Partner/Vater.


LG
Corinna


____________________

Jedermann will einen Freund haben ,
aber nur wenige geben sich die Mühe ,auch einer zu sein.

(A.Kerr)
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#15

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.02.2009 06:24
von Steffi Köster • 364 Beiträge

Liebe Linebiene,

ja..lass Deine Mutter erst einmal hier ins Forum kommen. Zu wissen, dass sie mit ihren

Problemen, Ängsten und Nöten nicht alleine ist, das ist schon mal ganz wichtig für sie.

Sie wird bei vielen auf Verständnis stoßen.

Nur sollte sie sich wirklich nicht scheuen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Viele Angehörige glauben, dass sie das alles alleine schaffen ist der Gang zum Psychologen

bei noch vielen verpönt.

Ich könnte mich heute im Nachhinein fürchterlich darüber ärgern, dass ich so lange (1 1/2 Jahre)

gewartet habe. Ich hätte mir selber eine Menge Leid dadurch ersparen können.


Herzliche Grüße

Steffi
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#16

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.02.2009 08:28
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge
Hallo Biene,

Steffi und Corinna haben sich aus Sicht der Angehörigen geäußert. Ihre Erfahrungen und Meinungen werden dir und deiner Mama sicherlich helfen. Wichtig ist aber auch die Sicht der Betroffenen zu hören, denn nur so versteht man auch gewisse Reaktionen und Verhaltensweisen.

Ich muss gestehen, ich war nach meinem 1. Schlaganfall sehr gereizt, aber deshalb weil ich nicht so konnte wie ich wollte. Es ist nicht leicht wenn man was jemanden mitteilen möchte und es geht nicht bzw. man sagt was ganz anderes, als man sagen wollte. Selbst merkte ich das nicht, hörte oft nur, was redest für einen Blödsinn. Von den Gedanken her sagte ich das richtige, doch über meine Lippen kam ganz was anderes raus. Schlimm war es auch mit dem Kurzzeitgedächtnis. Gesprochenes und Gehörtes war oft schon nach Minuten verschwunden. Wenn man dann öfters zu hören bekommt, "das hast du doch eben erst gesagt", dann sollte man als Angehöriger schon Verständnis haben, dass der Betroffene entweder sauer reagiert oder sich zurückzieht. Ich habe mich da öfters zurückgezogen, weil ich mir nicht ständig indirekt vorhalten lassen wollte, ich könne mir nichts merken. Dass die Kommunikation mitunter auf einfache Weise stattfindet, wundert mich nicht. Es ist für einen Schlaganfallbetroffenen mit Sprachstörungen sehr anstrengend wenn sich ein Gespräch länger hinzieht. Ich merke es teilweise noch heute (nach über 10 Jahren) dass ständiges Reden z.B. auf Messen und Veranstaltungen, mich anstrengt. Mittlerweile weiß ich damit umzugehen und nehm mir einfach eine Pause, lasse andere reden. Einige, die mich persönlich kennen, werden nun schmunzeln, denn es fällt mir nicht leicht.

Biene, versuche dass du deine Mama hier ins Forum bringst, Angehörige und Betroffene hier sind ihr gerne behilflich. Und wenn sie mal ein persönliches Gespräch wünscht, kein Problem, wir können gerne mal telefonieren und über all die Sorgen und Ängste reden.

Mit besten Grüßen
Willi Daniels

"Schenke jedem Tag ein Lächeln und er lächelt zurück."
zuletzt bearbeitet 04.03.2009 11:37 | nach oben springen

#17

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 26.02.2009 18:15
von linebiene • 64 Beiträge

Hallo zusammen,

ja Willi, ich denke auch der erste Schritt für meine Mama wäre erst mal ins Forum zu kommen...ich glaube soweit, dass wir einen Therapeuten brauchen sind wir noch nicht.Klar es zehrt stellenweise an den Kräften, andererseits hat sich der Alltag schon wieder ganz gut eingeschlichen und meine Mutter nimmt sich auch immer wieder stundenweise Auszeiten, sie singt aktiv in zwei Chören und ist auch politisch in unserer Gemeinde aktiv, insofern kann sie schon mal ein paar Stunden flüchten und das tut ihr auch ganz gut.
Ich selbst hab ja auch meine eigene Familie und den Job teilen meine Mutter und ich uns zwischenzeitlich, wir haben ein Einzelhandelsgeschäft und ich mach es jetzt vormittags und meine Mutter nachmittags, so ist Papa (die Wohnung meiner Eltern ist im gleichen Stockwerk wie unser Geschäft) auch nie ganz allein.
Er hilft sogar abends schon wieder beim Kassenschluss mit und das finde ich echt toll.
Ganz so krass ist die Wesensveränderung nicht bei ihm, er hat immer noch seinen Humor und der hilft ihm manchmal ganz gut über die Verzweiflung hinweg.Ich war halt nur so erstaunt, wie sich manche Wesenszüge gerade ins Gegenteil verwandelt haben (wie eben diese Pedanterie bei manchen Sachen, mein Kleiner sagt schon manchmal Opa "Monk" zu ihm, weil er immer alles so gerade und clean haben will)
Eben wie gesagt, das krasse Gegenteil zu früher...aber damit kann man leben und meine Mutter stellt ihn schonmal in den Senkel wenn es ihr zu bunt wird.
Ich denke auch das ist wichtig, dass man ihn nicht immer nur mit Samthandschuhen anpackt. Die zwei können sich auch schon wieder ganz schön kabbeln, wen dem einen anm anderen was nicht passt.
Trotzdem bin ich echt glücklich, dieses Forum gefunden zu haben, denn viele Dinge sehe ich jetzt bereits mit anderen Augen, zu mal man hier eben auch mal die Sicht der direkt Betroffenen erfährt und nicht nur von Angehörigen, außerdem fühle ich mich das erste mal nicht so allein mit unseren Problemen.Und es tut gut zu wissen, dass man Fragen stellen kann und auch kompetente antworten bekommt.
Habe mir heute Manfreds Buch bestellt und kann es kaum abwarten bis es da ist.
Werde auf jeden fall weiterhin berichten, wie es (hoffentlich) vorwärts geht und sicher noch mit vielen, vielen Fragen nerven.
Liebe Grüße
Linebiene

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#18

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 27.02.2009 22:34
von friedger • 12 Beiträge

hallo linebine,

ich finde es gut, dass du so viele Einzelheiten der Verhaltensänderung nennst, das geschieht nicht oft.
Darum meine Ergänzung zur "pedantischen Ordentlichkeit".
Es scheint mir eine sehr häufige Folge bei linksseitig-gestörten Erkrankten zu sein: Türen müssen g a n z gschlossen werden, Vorhänge auch usw. Stühle müssen ordentlich stehen.
Es hat überhaupt keinen Sinn, dahinter so etwas wie eine "Herrschsucht" zu vermuten. Die Betroffenen leiden unter dieser "Unordnung". Meine Frau (Betroffene mit diesen Symptomen) hat als Sonderpädagogin früher von ihren geistig-behinderten Kindern auch berichtet, dass diese erst dann weiter machten, wenn solche "Unordnungen" behoben waren.

friedger

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#19

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 27.02.2009 23:49
von Manfred- Mader • 337 Beiträge

Hallo,

ich bin auch linksseitig gelähmt und mir ist der Ordnungssinn nicht abhanden gekommen, also mir ist es wurscht wie früher!!!

Ein Tipp von meiner Frau, lasst sie selber Ordnung machen, dann akzeptieren sie auch Unordnung.

Liebe Grüße Manfred


Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein
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#20

RE: Hallo, bin ganz neu hier und hab soviele Fragen...

in SCHLAGANFALL - Was nun? 28.02.2009 15:48
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Hallo Biene,

hier einmal ein Link zu einem "Wechselwirkungs-Check" für Medikamente. http://www.gesundheitpro.de/Medikamenten...DMIP063800.html

Der Check soll und darf aber nicht den Besuch beim behandelnden Arzt und/oder dem Apotheker ersetzen.

Beste Grüße
Willi Daniels


"Schenke jedem Tag ein Lächeln und er lächelt zurück."
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