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" Wir schaffen das schon"

in Fernsehsendungen zum Schlaganfall 14.11.2007 12:05
von Willi Daniels • 1.247 Beiträge

Vom harten Pflegealltag zu Hause

Es war vor vier Jahren als sie merkten, dass es so nicht mehr weiter ging. Elfi (59) und Herrmann Schwarz (65) hatten Elfis Mutter bereits drei Jahre in deren Wohnung gepflegt. Doch als sie immer verwirrter wurde und kaum noch laufen konnte, nahmen sie die 83-Jährige zu sich. Seit sie völlig bettlägerig ist, kreist der Tag um Füttern, Waschen und Windeln. Das Bad haben sie rollstuhlgerecht umbauen lassen. "Wir leben nicht mehr unser Leben, wir leben das von Mama", sagen die beiden erschöpft. Die Mutter in ein Heim zu geben, käme für Elfi und Herrmann jedoch nie in Frage. "Unsere Eltern haben früher uns gepflegt, nun pflegen wir sie. Gemeinsam schaffen wir das!" "Man meint immer: das trifft nur andere. Und auf einmal trifft´s einen selbst", sagt Marlene Wittke (58) und streicht ihrem Mann Fred übers Haar. Mit ausdruckslosem Gesicht liegt der 59-jährige ehemalige Berufsfeuerwehrmann im Bett. Vor zehn Jahren hatte es angefangen. Seine Unterschrift wurde unleserlich, er verlegte die Schlüssel, wusste mit den Werkzeugen nichts mehr anzufangen. Vor vier Jahren dann - gerade erst 55 - die Diagnose: Alzheimer. Heute ist er schwerstpflegebedürftig. "Tun Sie ihn ins Heim," hatten die Ärzte in der Klinik Marlene Wittke geraten. Doch das bringt sie nach 38 Jahren Ehe nicht übers Herz. "Wir schaffen das schon", sagt sie. Unterstützt von einem Sozialdienst pflegt sie ihren Mann zu Hause und zieht nebenher noch ihren zehnjährigen Enkel groß. Sohn und Tochter helfen, wo sie können. Doch manchmal mag sie morgens einfach nicht mehr aufstehen. Christine Dobis, heute 44, war gerade bei der Arbeit, als der Anruf kam. Ihr Mann Dieter war zusammengebrochen, lag im Koma. Das war vor fünf Jahren. Schlaganfall mit 47! Aber er lebte. Das war das einzige, was zählte. Seitdem kämpft sie um ihn und ist glücklich über jeden kleinen Fortschritt, den er macht. Schließlich kann sie ihn nach Hause holen - als Schwerstpflegefall. Inzwischen sitzt er im Rollstuhl, macht erste Steh- und Sprechübungen. Aber er ist immer noch blind. Um Geld zu verdienen, aber auch um zeitweise Abstand zu gewinnen, arbeitet sie weiterhin als Teamleiterin bei einem Versicherungsunternehmen. Mit Hilfe von Pflegedienst und Zivis ist der Tag sekundengenau geplant. Wenn daheim etwas schief läuft, klingelt in der Konferenz ihr Handy. Abends und am Wochenende geht es für sie dann zu Hause weiter. "Nichts ist geblieben, wie es war", sagt sie und streichelt ihren Mann traurig. "Aber wir schaffen das schon!" Zwei Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland. Nur ein Viertel davon wohnt im Heim. Die anderen leben zu Hause und werden von Angehörigen gepflegt. Das geht oft bis an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit. Freunde ziehen sich zurück. Das eigene Leben findet nicht mehr statt.
Die "ZDF.reportage" zeigt den Alltag pflegender Angehöriger. All seine Belastungen und Konflikte, aber auch sehr persönliche Bewältigungsstrategien.

Sonntag, 18. November - 21.15 Uhr im ZDFinfokanal

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