Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall

Wenn Sie bei jemandem einen Schlaganfall vermuten, ist schnelles und besonnenes Handeln entscheidend. Zögern Sie nicht – auch wenn Sie sich nicht sicher sind. Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel den Notruf anrufen als zu spät. Die folgenden Schritte zeigen Ihnen, was in dieser Situation zu tun ist.

Schritt-für-Schritt: Erste Hilfe beim Schlaganfall

  1. Ruhe bewahren und die Person ansprechen
    Sprechen Sie die betroffene Person ruhig und klar an. Überprüfen Sie mit dem FAST-Test (Gesicht, Arme, Sprache), ob ein Schlaganfall vorliegt.
  2. Sofort den Notruf 112 anrufen
    Rufen Sie umgehend die europäische Notrufnummer 112 an. Teilen Sie dem Disponenten mit:
    • Ihren genauen Standort (Straße, Hausnummer, Ort)
    • Was Sie beobachtet haben (Symptome)
    • Den genauen Zeitpunkt, wann die Symptome begannen
    • Name und Zustand der betroffenen Person
    Legen Sie erst auf, wenn der Disponent es Ihnen sagt.
  3. Die Person beruhigen und bei ihr bleiben
    Lassen Sie die betroffene Person nicht allein. Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie in kurzen, verständlichen Sätzen. Vermeiden Sie hektische Bewegungen.
  4. Richtige Lagerung
    Ist die Person bei Bewusstsein, lagern Sie sie mit leicht erhöhtem Oberkörper (ca. 30 Grad), zum Beispiel mit einem Kissen. Dies kann den Hirndruck verringern. Ist die Person bewusstlos, aber atmet, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.
  5. Beengende Kleidung lösen
    Lockern Sie enge Kleidung wie Krawatte, Kragen oder Gürtel, damit die Person ungehindert atmen kann.
  6. Keine Flüssigkeiten oder Medikamente geben
    Geben Sie der Person nichts zu trinken oder zu essen. Schluckstörungen sind häufig und können zu Erstickungsgefahr führen. Verabreichen Sie auch keine Schmerzmittel oder andere Medikamente.
  7. Bewusstsein und Atmung überwachen
    Kontrollieren Sie regelmäßig, ob die Person bei Bewusstsein ist und normal atmet. Wenn Sie keine Atmung feststellen, beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

  • Nicht warten, ob die Symptome von selbst verschwinden – auch bei einer TIA (Mini-Schlaganfall) sofort Notruf rufen
  • Nicht selbst ins Krankenhaus fahren – der Rettungsdienst kann bereits auf dem Weg Behandlungen einleiten
  • Keine Acetylsalicylsäure (Aspirin) geben – bei einem Hirnblutung-Schlaganfall würde dies die Situation verschlimmern
  • Die Person nicht alleine lassen, um „Hilfe zu holen" – schicken Sie andere Personen, oder nutzen Sie Ihr Mobiltelefon

Was passiert nach dem Notruf?

Der Rettungsdienst wird die betroffene Person so schnell wie möglich in eine Stroke Unit (spezialisierte Schlaganfallstation) transportieren. Dort stehen rund um die Uhr spezialisierte Ärzte, moderne Bildgebungsverfahren (CT, MRT) und Behandlungsoptionen zur Verfügung. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen auf eine gute Erholung.

Erste Hilfe lernen – es kann Leben retten

Einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen ist eine der wertvollsten Investitionen, die Sie machen können. Viele Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) oder die Johanniter bieten regelmäßig kostenlose oder günstige Kurse an. Informieren Sie auch Ihre Familie und Freunde über die Schlaganfall-Warnsignale und den FAST-Test.